Freitag, 27. Mai 2016

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"Kostenlose Kontoführung ist vorbei" Sparkassen drohen höhere Gebühren und Strafzinsen an

Zinsen zahlen die Sparkassen kaum noch: Künftig werden sie aber ihre Gebühren anheben und wohl auch "Strafzinsen" für größere Einlagen fordern - zumindest von gewerblichen Kunden, sagt ihr Präsident Georg Fahrenschon voraus

Die Sparkassen machten im vergangenen Jahr einen Milliardengewinn und häufen fast 20 Milliarden Euro Reserven an. Trotzdem müssen sich private und gewerbliche Kunden auf höhere Gebühren einstellen. Die Niedrigzinsen zwängen die Sparkassen dazu, behauptet ihr Präsident.

Sparkassen-Kunden müssen sich auf höhere Gebühren einstellen. "Die Zeit von weiten Angeboten kostenloser Kontoführung ist aus meiner Sicht vorbei", sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, am Dienstag in Frankfurt.

"Wir werden Leistungen bepreisen müssen - und zwar verursachergerecht." Alle Marktteilnehmer müssten angesichts der "falschen Zinspolitik" der Europäischen Zentralbank (EZB) neue Ertragsquellen erschließen. Die EZB hatte den Leitzins im Euro-Raum am vergangenen Donnerstag auf Null gesenkt.

Strafzinsen, die die EZB für geparkte Gelder von Banken verlangt, wird die Branche nach Fahrenschons Einschätzung zunehmend an gewerbliche Kunden mit hohen Einlagen weiterreichen. Dem könnten sich auch die Sparkassen nicht entziehen.

Sparkassen wollen Strafzinsen an gewerbliche Kunden weitergeben

"Entscheidend ist, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun werden, um diesen verheerenden Effekt der Niedrigzinspolitik nicht beim privaten Sparer ankommen zu lassen." Er betonte zudem: "Der DSGV-Präsident setzt keine Preise fest." Das obliege den jeweiligen Instituten.

Im vergangenen Jahr konnten die 413 (Vorjahr: 416) Sparkassen sinkende Zinsüberschüsse durch höhere Provisionsüberschüsse ausgleichen - besonders dank guter Geschäfte mit Wertpapieren. Der Vorsteuergewinn lag letztlich mit 4,6 Milliarden Euro um 200 Millionen Euro unter dem Wert von 2014. Unter dem Strich stand erneut ein Überschuss von rund 2,0 Milliarden Euro.

Zwei Milliarden Euro Nettogewinn und milliardenschwere Reserven

"Es ist aber angesichts der Zinspolitik der EZB klar, dass sich diese guten Ergebnisse in den nächsten Jahren nicht wiederholen werden", sagte Fahrenschon. Selbstbewusstsein schöpft die Gruppe daraus, dass sie in den vergangenen fünf Jahren 19,4 Milliarden Euro in ihre Vorsorgereserve packte - davon 4,2 Milliarden Euro 2015.

Zuwächse verbuchten die öffentlich-rechtlichen Institute im vergangenen Jahr bei Krediten wie bei Kundeneinlagen. Ende Dezember 2015 lag der Kreditbestand der Sparkassen bei 745,1 (720,7) Milliarden Euro. Angesichts der niedrigen Zinsen sind Finanzierungen für Häuser und Wohnungen sehr gefragt. Obwohl die Institute Sparen kaum noch belohnen, trugen Kunden weitere 24,8 Milliarden Euro zu den Sparkassen. Die Einlagen stiegen auf 861,5 (836,7) Milliarden Euro.

Weniger Filialen, tausende Stellen nicht neu besetzt

Kosten senken wollen die Institute beim Personal. Im vergangenen Jahr wurden 6427 freigewordene Stellen nicht wieder besetzt. Die Mitarbeiterzahl der Sparkassen sank auf 233.719. Hier wird sich der Trend nach unten nach DSGV-Einschätzung fortsetzen.

Das Filialnetz wurde weiter ausgedünnt: von knapp 14.900 auf 14.451 - inklusive Selbstbedienungspunkten. Der DSGV rechnet mit einem weiteren Rückgang, weil viele Menschen Bankgeschäfte online erledigen.

rei/dpa-afx

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