Donnerstag, 18. Oktober 2018

Lehre aus 10 Jahren Finanzkrise Privatisiert die deutschen Sparkassen!

2. Teil: Sparkassen verzerren den Wettbewerb

Vor der Finanzkrise stellte sich für die damals noch vier deutschen Großbanken und viele andere private Kreditinstitute die Frage, wie man in einem Markt, der durch die nicht ausschließlich ertragsorientiert agierenden Sparkassen stark verzerrt ist, wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Eine Sparkasse stand unter einem erheblich geringeren Druck. Wenn sie im Kundengeschäft nicht erfolgreich war, blieben ja immer noch die Erträge aus den Eigenanlagen. Hatte man dort schlecht gewirtschaftet, konnte man sich immer noch unter das Dach einer erfolgreicheren Nachbarsparkasse flüchten.

Großbanken mussten sich hingegen international behaupten und hatten - anders als in den USA oder Großbritannien - nicht die Möglichkeit, sich eine fundierte Basis durch einen starken Heimatmarkt zu verschaffen. Daher gab es nur die Möglichkeiten, übernommen zu werden oder im Ausland zu wachsen.

Dieses Wachstum in ausländischen Märkten war vielfach nur über das Investmentbanking möglich. Nur so konnten europäische und insbesondere deutsche Großbanken die Nachteile bestimmter Kapitalanforderungen im Vergleich zu angelsächsischen Anbietern kompensieren. Dabei ist Investmentbanking so lange unkritisch, solange jede Transaktion auf einem Grundgeschäft basiert.

Gefährlich wurde es erst, als immer mehr Nachfrage - gerade von öffentlich-rechtlichen Banken - aufkam, die eben keinen Zugang zu Investmentbankinglösungen hatten, aber an den vermeintlich lukrativen Geschäften mitverdienen wollten. Deswegen hat die Finanzkrise ja gerade so viele öffentlich-rechtliche Kreditinstitute die Existenz gekostet - und die Steuerzahler so viele Milliarden.

Gesunde Sparkassen zu Ausschüttungen zwingen

Ohne die so dominant zulasten der Großbanken lebenden Sparkassen und die jahrzehntelang geltende Gewährträgerhaftung wären die Schadenvolumina bei den Landesbanken in der Finanzkrise deutlich geringer ausgefallen. Sie hätten schlicht nicht so viel Kapital erhalten, um sich in diesem Umfang verspekulieren zu können.

Die Politik hat bereits vor der Finanzkrise - unter anderem mit der Vereitelung des Versuchs der Deutschen Bank, die Sparkasse Stralsund zu übernehmen - versäumt, einen modernen und zukunftsfähigen Bankensektor aufzustellen und damit Milliardeneinnahmen für Städte und Kommunen zu ermöglichen. Heute würde es den zwei verbliebenden Großbanken wesentlich schwerer fallen, in nennenswertem Umfang Sparkassen zu übernehmen. Daher sollte der Gesetzgeber - auch im Vorgriff auf eine neuerliche Krise - die deutlich übermäßige Kapitalisierung von Sparkassen auf ein angemessenes Niveau zurückführen und die so für Städte und Kommunen freiwerdenden Mittel zum Schuldenabbau und zur Verbesserung der kommunalen Infrastruktur einsetzen.

Laufende Gewinne sollten von den Sparkassen, die wirtschaftlich gesund sind, zu mindestens 50 Prozent ausgeschüttet werden, sofern die Sparkasse keine nachhaltige Investitionsstrategie verfolgt. Dazu kann auch die Aufrechterhaltung eines wirklich flächendeckenden Filialnetzes gehören, da es eben nicht Aufgabe einer Sparkasse ist, maximale Gewinne zu erwirtschaften, sondern Geldversorger in der Fläche zu sein.

Sparkassen, die diesem Auftrag nicht mehr nachkommen, sollten von ihren Trägern verkauft werden können, ohne dass dies mit der Verpflichtung verbunden sein darf, das Drei-Säulen-System aufrechtzuerhalten. Sparkassen müssten also privatisiert werden, um die Risiken im Finanzmarkt zu reduzieren und die Leistungsfähigkeit des Finanzplatzes Deutschland mit wieder international bedeutenden Kreditinstituten herzustellen.

Markus Schön ist Geschäftsführer des DVAM Vermögensverwaltung GmbH und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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