Samstag, 27. August 2016

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Milliardenfusion Schweizer Banken bündeln Schlagkraft

Eidgenossen mit Alphörnern: In der Schweizer Bankenbranche weht ein frischer Wind
Getty Images
Eidgenossen mit Alphörnern: In der Schweizer Bankenbranche weht ein frischer Wind

Die Schweizer Privatbank EFG International schiebt mit der Übernahme der Konkurrentin BSI die Fusionswelle unter den Vermögensverwaltern des Landes an. EFG kauft die etwa gleich große Tessiner Bank für rund 1,33 Milliarden Franken. Gemeinsam kommen die beiden Institute auf ein verwaltetes Vermögen von gut 170 Milliarden Franken und steigen zur Nummer fünf auf dem umkämpften Schweizer Markt auf. Damit spielt die fusionierte Bank künftig in einer Liga mit Wettbewerbern wie Pictet oder Safra Sarasin, deutlich größer sind nur die Branchenführer UBS, Credit Suisse und Julius Bär. "Wir dringen auf die nächste Stufe vor", sagte EFG-Chef Joachim Strähle am Montag.

Die Übernahme hatte sich bereits abgezeichnet: Zwar hatte der Verkäufer - die brasilianische Investmentbank BTG Pactual - BSI selbst erst vor wenigen Monaten gekauft. Doch die Bank geriet nach der Verhaftung ihres Gründers Andre Esteves im November inmitten einer Korruptionsaffäre in Turbulenzen und musste den Weiterverkauf einleiten. Vergangene Woche hatten EFG und BTG Pactual schließlich exklusive Verhandlungen über die Tessiner Privatbank bestätigt. Bei den EFG-Anlegern kamen die Pläne nicht gut an: Die Aktie verlor fünf Prozent.

Grund dafür ist Händlern zufolge auch die 500 Millionen Franken schwere Kapitalerhöhung, mit der EFG den Kauf finanzieren will. Zudem plant EFG Ergänzungskapital (Additional Tier 1) im Umfang von 250 Millionen Franken aufzunehmen, um die geplante Barzahlung von 975 Millionen Franken zu begleichen. Den Rest der Übernahme finanziert EFG mit der Ausgabe eigener Aktien: Die brasilianische BTG Pactual wird im Zuge dessen zum EFG-Großaktionär mit einem Anteil rund 20 Prozent. Wichtigster Aktionär bleibt jedoch die griechisch-schweizerische Reeder-Familie Latsis mit künftig rund 35 Prozent. Für den Fall, dass EFG angesichts des schwierigen Börsenumfelds nicht genügend frisches Kapital aufnehmen könnte, haben die Familie Latsis und BTG weitere Geldspritzen in Aussicht gestellt.

Mit dem Zusammenschluss hoffen die beiden Banken, sich im internationalen Wettbewerb um die zumeist vermögende Kundschaft künftig besser behaupten zu können. Vor allem kleinere Privatbanken suchen ihr Heil daher in Zusammenschlüssen, um ihre Ausgaben etwa für IT auf mehr Kunden zu verteilen.

EFG und BSI wollen ihre Kosten im Zuge der Fusion bis Ende 2018 um 185 Million Franken vor Steuern drücken. Doch zunächst verschlingt der Umbau im selben Zeitraum 200 Millionen Franken. Zum EFG-Gewinn werde der Zukauf ab 2018 beitragen. Wie viele Stellen im Zuge der Fusion gestrichen werden ließ EFG-Chef Strähle offen.

Läuft alles nach Plan, soll der Deal bis zum Jahresende über die Bühne gehen. Die Verwicklung von BSI-Managern in den Finanzskandal um den malayischen Staatsfonds 1MDB scheint EFG dabei kein Kopfzerbrechen zu machen. EFG habe sich die Rechtsfälle angesehen und könne damit umgehen, sagte Strähle.


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ts/Reuters

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