Freitag, 16. November 2018

Santander-Chef Botín tot  Ana Botín ersetzt den verstorbenen Vater an der Konzernspitze

Ana Botin: Es lief schon seit längerem darauf hinaus, dass sie eines Tages die Geschicke des Bankhauses Banco Santander lenken würde. Am Mittwoch hat das Gremium sie offiziell als Nachfolgerin vorgeschlagen, dann bestätigt

Um die Lücke schnellstmöglich zu schließen, die der Tod von Vorstand Emilio Botín bei der Banco Santander gerissen hat, hat die Bank den Nachfolger bereits am Mittwoch benannt. Seine Tochter Ana Botín soll an die Stelle des Patriarchen treten.

Hamburg - Kaum war die Nachricht verbreitet, Emilio Botín sei verstorben, kursierten die Gerüchte, wer dessen Nachfolge als Chef der Banco Santander Börsen-Chart zeigen antreten könne. Zumeist wurde ein Name genannt - der seiner Tochter Ana Patricia Botín.

Und tatsächlich - die spanische Großbank Santander wird auch in vierter Generation von der Familie Botín geführt werden. Nach dem überraschenden Tod von Firmenpatriarch Emilio Botín werde seine Tochter Ana wohl die Nachfolge an der Spitze des Verwaltungsrats übernehmen, hieß es zuerst in der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch von zwei Personen, die mit der Situation vertraut sind. Der zuständige Ausschuss werde die 53-Jährige vorschlagen, die bislang Santanders Großbritannien-Geschäft verantwortet. "Sie haben sich einstimmig für Ana Patricia (Botín) entschieden." Die Zeitung"El Pais" bestätigt, dass Ana Botín bereits vorgeschlagen wurde. Nun ist sie im Amt bestätigt.

Ausreichend Vorschusslorbeeren werden Ana Botin bereits jetzt zu einem Kranz gewoben. In Harvard studiert, fünfsprachig und acht Jahre Erfahrungmit der Lenkung einer Bank - Banesto - dürften sie nahezu zur Idealkandidatin machen. "Sie ist gut", sagt Andrew Lim, Analyst bei Matrix. "Und hat einen guten Ruf in Finanzkreisen." Ein Analystenkommentar schlägt in die gleiche Kerbe - das Kursziel für das Unternehmen wurde von 7,20 auf 7,40 angehoben.

Derzeit verantwortet sie das britische Geschäft der Bank. Erst Anfang Juli hatte sie erklärt, einen 58 Millionen Pfund schweren Venture-Capital-Fonds starten zu wollen, der sich Unternehmen verschreibt, die die technologische Entwicklung der Finanzindustrie voranbringen und Bankgeschäfte für die Kunden vereinfachen.

"Botschafter der Marke Spanien"

Die Zeitung "El Pais" hatte mit der Meldung des Tods vom 79-jährigen Bankvorstand einen kleinen Kursrutsch ausgelöst, die Papiere des Hauses verloren um 2 Prozent an Wert. Auch die spanische Regierung hatte schnell reagiert - die Vizepräsidentin, Soraya Sáenz de Santamaría, sprach ihr Mitgefühl aus. Präsident Mariano Rajoy nannte ihn einen "Botschafter der Marke Spanien."

Botín, im nordspanischen Santander geboren, entwickelte die 1857 gegründete Banco Santander von einen kleinen lokalen zu einem internationalen Institut mit gut 200.000 Mitarbeitern. Das Unternehmen ist an der Börse notiert und ein Großteil der Aktien sind im Streubesitz, doch die Familie Botín zählt zu den größten Aktionären. Botín war auch ein Kunstfreund - heute hätte er der Enthüllung eines mit Bankgeldern restaurierten Gemäldes von Velázquez beiwohnen sollen. Auch sein Vater sowie dessen Vater waren Vorstand der Bank. Wie stark sein Einfluss ist, zeigt die Zentrale der Bank in Madrid, in der eigens geschaffenen "ciudad grupo Santander", der Santander-Stadt. Eine Million Sträucher, Rosmarin und andere Pflanzen, hat er dort in Beete und Dächer pflanzen lassen. Weil er Rosmarin so mochte, verriet er in einem Interview. Doch ihn als Mäzen und Pflanzenfreund abzutun, würde ihm nicht gerecht werden.

Denn die Zahlen der Bank waren und sind deutlich besser als die der spanischen Konkurrenz. Das "Euromoney" hatte das Institut vor einigen Jahren sogar zur "besten Bank der Welt" gewählt. Tatsächlich litt die Bank weiteraus weniger am Platzen der spanischen Immobilienblase sowie der Euro-Bankenkrise als andere. Nun muss sich zeigen, wie sich der Nachfolger macht. Oder die Nachfolgerin.

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rtr

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