Freitag, 25. Mai 2018

Neue Zahlungs-Richtlinie PSD2 "Der Trend zur kostenfreien Onlinezahlung ist gesetzt"

Online-Banking: Zahlungen werden durch PSD2 günstiger - und der Wettbewerb zwischen Banken, Fintechs, Online-Händlern und Kreditkarten-Anbietern nimmt zu

Seit Mitte Januar gilt im Euro-Raum die überarbeitete "Payment Services Directive" (PSD2). Die EU-Richtlinie soll den Wettbewerb in der Zahlungsbranche stärken. Die Branche wird aufgemischt, meint Thomas Sontheimer, Geschäftsführer bei Accenture. Banken und Kreditkarten-Anbieter müssen sich dem Angriff von Fintechs und Onlinehändlern stellen.

mm.de: Die neue Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD2) ermöglicht es Händlern, Zahlungen direkt vom Konto ihrer Kunden einzuziehen. Für den Kunden sollen Zahlungen damit günstiger werden - doch werden damit künftig alle Gebühren im Online-Handel entfallen?

Thomas Sontheimer: Die PSD2 wird dafür sorgen, dass Onlinezahlungen für den Endkunden wesentlich günstiger werden. Sie wird Gebühren aber nicht gänzlich abschaffen. Das so genannte Surcharging, also der Extra-Aufschlag für ein bargeldloses Zahlungsmittel, fällt zu einem großen Teil weg, aber eben nicht vollständig. Die Richtlinie gilt bei Kartenzahlungen in erster Linie für Anbieter von Vier-Parteien-Kartensystemen, Überweisungen und Lastschriften. Sie kommt zum Zug, wenn ein Verbraucher über seine Bank eine Kreditkarte eines weiteren Anbieters bezieht. Bei einem Drei-Parteien-Kartensystem, bei dem die kartenausgebende Bank zugleich auch die Händlerbank ist, muss PSD2 theoretisch nicht angewendet werden. Online-Bezahldienste, die Kreditkarten- und Lastschriftzahlung in einem Wallet hinterlegen, stellen eine weitere Ausnahme dar.

mm.de: Inwiefern sind Online-Bezahldienste eine Ausnahme?

Sontheimer: Hier dürfen die Gebühren in der Theorie ebenfalls weiter bestehen bleiben. Allerdings gibt es auch Beispiele für Bezahldienste, die ihre AGBs dahingehend geändert haben, dass Händler vertraglich verpflichtet werden, dem Endkunden keine Gebühren zu berechnen. Somit hat die PSD2 einen klaren Trend zu kostenfreien bargeldlosen Onlinezahlungen gesetzt.

mm.de: Warum sollten Händler wie Amazon Börsen-Chart zeigen in Zukunft von dem vertrauten Lastschriftsystem oder Paypal System abweichen und auf neue Zahlungssysteme setzen?

Sontheimer: Ein Onlinehändler kann bei einem Lastschriftverfahren nach wie vor nicht auf das Bankkonto des Kunden zugreifen. Die Abbuchung bei einer Lastschrift beziehungsweise der Zahlungseingang ist nicht garantiert, es gibt die Möglichkeit der Rücklastschrift. Das bedeutet: Ist das Konto beim Kauf nicht ausreichend gedeckt, wird der Betrag nicht überwiesen. Neue Dynamik wird die PSD2 in diesem Bereich in Kombination mit Echtzeitzahlung, so genannte Instant Payments, erhalten.

mm.de: Wie funktionieren diese Instant Payments?

Sontheimer: Hier kann der Onlinehändler die auf dem Kundenkonto ausgelöste Zahlung in Echtzeit auf das Händlerkonto überweisen und verbuchen - die Zahlungsgarantie ist somit gegeben. Insbesondere dieser Anwendungsfall kann eine Alternative zu Kreditkarten und PayPal darstellen. Damit Onlinehändler wie Amazon die PSD2-Regulierung bestmöglich nutzen können, müssen sie sich als Zahlungsauslöse- und auch Kontoinformationsdienst bei der ansässigen Aufsichtsbehörde registrieren. Ein Händler könnte durch ein Loyality-Programm interessante Anreize für den Kunden bei der Nutzung von PSD2 bieten. Hier könnte der Händler als Kontoinformationsdienst sehr viel über das Ausgabeverhalten des Kunden lernen.

mm.de: Amazon Börsen-Chart zeigen und die übrigen Online-Händler sind das eine - doch was bedeutet die neue Zahlungs-Richtlinie für klassische Banken und Kreditkartenunternehmen?

Sontheimer: PSD2 hat den Zahlungsverkehr in der EU insgesamt ziemlich aufgemischt. Sie wird Banken und Kreditkartenunternehmen vor neue Herausforderungen stellen. Dazu gehört das Umdenken beim Service und dem Kundenerlebnis: Die Benutzerfreundlichkeit wird immer wichtiger werden.

PSD2 zwingt Finanzinstitute dazu, spezielle Schnittstellen kostenfrei für Drittanbieter zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet einen Mehraufwand und höhere Kosten ohne zusätzliche Gewinne. Die Banken müssen also neue Ertragsquellen finden.

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