Sonntag, 4. Dezember 2016

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US-Bank Morgan Stanley will deutschen Derivatemarkt aufrollen

Morgan Stanley will großflächig im deutschen Markt für Optionsscheine und Zertifikate angreifen, der bislang von deutschen sowie französischen Banken dominiert wird. Über den Onlinebroker Flatex, der zur Frankfurter Fintech Group gehört, will die US-Investmentbank nach Informationen von manager magazin online ab Jahresmitte 2016 direkt an Endkunden sogenannte Exchange Traded Products (ETP) emittieren.

Das in Zertifikaten investierte Vermögen in Deutschland ist seit der Finanzkrise rückläufig. Ende November 2015 betrug es 70,8 Milliarden Euro, auf dem Höhepunkt 2007 war es doppelt so hoch. Trotzdem ist der deutsche Markt weltweit noch immer einer der größten.

Beherrscht wird er derzeit von heimischen Adressen wie Deutscher Bank, Commerzbank, DZ, HypoVereinsbank, einigen Landesbanken sowie den französischen Instituten BNP Paribas und Société Générale. Morgan Stanley gehört nicht zur Topliga.

Das soll sich jetzt ändern - durch den Vertrieb über Flatex, deren rund 150.000 Kunden als überdurchschnittlich handelsaktiv gelten. Auch die Vermarktung übernimmt Flatex; das Emittenten-, sprich Ausfallrisiko verbleibt bei der US-Bank. Flatex ist eine Tochter der FinTech Group, deren CEO Frank Niehage einen aggressiven Wachstumskurs fährt.

Zuletzt hatte Niehage für Schlagzeilen gesorgt, als er Ende 2015 Flatex' Austritt aus dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) ankündigte, weil ihm die Mitgliedschaft zu teuer sei. Damit sind die Gelder der Flatex-Kunden nur noch im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Höhe von 100.000 Euro geschützt. Wer mehr Geld hat, geht im Insolvenzfall leer aus. Kaum ein Flatex-Kunde, so Niehage seinerzeit, habe indes mehr als 100.000 Euro auf dem Verrechnungskonto für Wertpapiertransaktionen.

Bis 2019 will Niehage das Unternehmen, das im leicht regulierten Entry Standard der Deutschen Börse notiert ist, zu einer "One-Billion-Dollar-Company" machen, wie er sagt. Noch fehlt ein gutes Stück: Aktuell ist die Fintech Group gut 270 Millionen Euro wert, umgerechnet also 300 Millionen Dollar.

Beim Erreichen seines Milliardenziels könnte Niehage abermals Morgan Stanley helfen: Die US-Bank liebäugele damit, sich über eine Kapitalerhöhung mit fünf Prozent am Stammkapital der Fintech Group zu beteiligen, verlautet aus Finanzkreisen.

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