Dienstag, 22. Mai 2018

Trump erleichtert Übernahmen im Bankensektor US-Banken vor neuer Fusionswelle - wer schluckt wen?

US-Banken: Erst ab 250 Milliarden Dollar systemrelevant - diese Änderung dürfte die Übernahme kleinerer Banken erleichtern

Die Lockerung der Bankenregulierung in den USA dürfte eine neue Fusionswelle lostreten. Diese werde insbesondere mittelgroße Institute erfassen, sagen Branchenvertreter und -experten voraus.

In den vergangenen Jahren gingen Zusammenschlüsse und Übernahmen (M&A) in der weltweit größten Volkswirtschaft kontinuierlich zurück. Zwischen 2014 und 2017 brach die Zahl solcher Deals um 23 Prozent ein. Das lag insbesondere an den verschärften Auflagen für die Geldhäuser im Zuge der Finanzkrise 2007 bis 2009. Doch mittlerweile weht ein anderer Wind. Unter US-Präsident Donald Trump winken der Branche spürbare Erleichterungen.

So sollen Banken erst ab einem Vermögenswert von 250 Milliarden Dollar als systemrelevant eingestuft werden. Bei diesem Status müssen Geldhäuser größere und teurere Kapitalpuffer vorhalten - ein Faktor, der sie bislang von Zusammenschlüssen abhielt. Die Institute fürchteten, die kritische Größe zu erreichen.

Banken erst ab 250 Milliarden Dollar Vermögenswert systemrelevant

Die in einigen Wochen erwarteten Änderungen wären die umfassendsten an den Wall-Street-Reformen, die 2010 als Lehre aus der Finanzkrise eingesetzt worden waren. Damals wurden Banken weltweit mit Hilfe von Steuermilliarden und Liquiditäts-Garantien vor dem Kollaps gerettet.

"Die Anhebung von 50 auf 250 Milliarden Dollar würde sicherlich helfen, ein großes Hindernis aus dem Weg zu räumen", sagt Rajinder Singh, Chef der BankUnited mit einem Vermögenswert von 30 Milliarden Dollar. Da mittelgroße Banken bei Fusionen Gefahr liefen, als systemrelevant eingestuft zu werden, verzichteten sie lieber gleich darauf.

Nun dürften vor allem Häuser mit 20 bis 200 Milliarden Dollar Vermögenswert Deals ins Auge fassen, sagte Singh. Investmentbanker rechnen mit dem Startschuss, sobald der US-Senat das Gesetz verabschiedet hat. Die Banken First Horizon National Corp aus Memphis und Associated Banc-Corp aus Green Bay im US-Bundesstaat Wisconsin signalisierten bereits, sich nach Möglichkeiten umschauen zu wollen.

Auch schnellere Fusions-Genehmigungen der Bankenaufsicht werden angepeilt. Die US-Notenbank Fed als oberster Wächter der Banken prüft ihr Verfahren. "Es ist wichtig, dass wir uns schneller entscheiden, transparenter sind und generell den Prozess vereinfachen", sagte Fed-Justiziar Adam Cohen auf einer Konferenz im Januar. In der ersten Jahreshälfte brauchte die Fed im Durchschnitt 54 Tage, bei öffentlicher Kritik und Bedenken 190 Tage. Bei rechtlichen Fragen kann sich ein geplanter Zusammenschluss auch Jahre hinziehen.

von David French und Michelle Price, Reuters

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