Freitag, 9. Dezember 2016

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Knochenjob bei der Commerzbank Was Martin Blessing über seinen möglichen Nachfolger preisgibt

Martin Blessing: Abschied mit einem Lächeln - und ein beredtes Schweigen über seine Nachfolge. Falls der Aufsichtsrat nicht doch noch extern fündig wird, gibt es intern einen neuen Favoriten

Martin Blessing, der scheidende Vorstandschef der Commerzbank, macht sich stets einen Spaß daraus, Gesprächspartner über seine wahren Absichten im Unklaren zu lassen. Finten, Gegenfragen, sibyllinische Andeutungen: Blessing hat das ganze Programm drauf, um nicht offenbaren zu müssen, was in ihm vorgeht.

In seinen acht Jahren als CEO ist ihm die Maske nur selten verrutscht. Ende 2011 etwa, als er vor Journalisten in Hamburg sagte, dass die "öffentliche Begleitung" der Verstaatlichung wenig motivierend gewesen sei und er sich mit Blick auf den Bankenrettungsfonds Soffin geschworen habe: "Ich gehe da nicht noch einmal hin."

Auch auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz als Commerzbank-Chef am Freitag in Frankfurt ließ sich Blessing nicht in die Karten schauen. Weder, was seine berufliche Zukunft nach Vertragsablauf im Oktober angeht, noch zur Frage, wer ihm nachfolgt.

Über Blessings nächsten Karriereschritt wird in den kommenden Monaten heftig spekuliert werden. Derzeit ist nicht einmal sicher, ob er im Banking bleiben wird.

Kurzfristig interessanter ist, wer künftig dem Vorstand der Commerzbank führen wird. Auch hier ließ Blessing am Freitag keine Vorliebe erkennen. Und natürlich ist das ohnehin vornehmste Aufgabe des Aufsichtsrats.

Die internen Kandidaten: Martin Zielke und Markus Beumer

Der Aufsichtsrat sucht derzeit extern nach Kandidaten. Doch nach allem was man hört und liest, strahlt die Commerzbank dermaßen wenig Attraktivität auf mögliche Kandidaten aus, dass es schwierig bis unmöglich werden wird, jemanden von außen für den Job zu gewinnen.

Damit richtet sich der Blick nach innen und auf die beiden Kandidaten, die gehandelt werden, seit Blessing sein Ausscheiden angekündigt hat: Privatkundenvorstand Martin Zielke und Markus Beumer, der das Mittelstandsgeschäft verantwortet.

Und an dieser Stelle gewinnen Blessings Worte doch wieder mehr an Bedeutung als beim ersten Hinhören. Auf das Privatkundengeschäft ging Blessing weder näher ein noch wurde er danach gefragt.

Anders beim Mittelstandsgeschäft: Da strich Blessing mehrfach heraus, wie stark die Stellung der Commerzbank sei, auch dank der Übernahme der Dresdner Bank im Krisenherbst 2008, die sachlich richtig gewesen, aber zum falschen Zeitpunkt gekommen sei.

Mittelstandsgeschäft ist entscheidend für die Zukunft der Commerzbank

Das muss nicht heißen, dass Blessing Beumer als seinen Nachfolger favorisiert - zumal er eben nicht entscheidungsberechtigt ist, sondern der Aufsichtsrat. Aber es deutet stark darauf, in welchem Geschäftsfeld sich die Zukunft der Commerzbank entscheiden wird.

Das Privatkundengeschäft ist das nicht. Hier steigert die Bank zwar kontinuierlich die Zahl ihrer Kunden; sie tut das aber mit teuren Marketingmaßnahmen, die einstweilen die Erträge übersteigen, die Neukunden der Bank bringen. Ob und wann sich das Verhältnis signifikant umdrehen wird, ist fraglich. Hinzu kommt, dass der Retailmarkt generell gesättigt und magenschwach ist. Fraglos muss die Commerzbank hier sehr präsent sein, aber viel Fantasie gibt er nicht her.

Das Geschäft mit Firmenkunden dagegen ist gleichermaßen vielversprechend wie riskant. Riskant, weil mittelfristig der deutliche Anstieg der Kreditrisikovorsorge droht, sofern sich Europas politische Talfahrt und der ökonomische Schrumpfungsprozess des Kontinents fortsetzt - für das Gegenteil gibt es derzeit kaum Anzeichen. Vielversprechend, weil hier noch Margen zu verdienen sind, die die Kapitalkosten mehr oder minder deutlich übersteigen, die Commerzbank davon profitiert, dass ihr Hauptkonkurrent Deutsche Bank an Ansehen verliert und der Markt, trotz der Expansion ausländischer Wettbewerber, nicht so überfüttert ist wie das Retailgeschäft.

Zur Jahreswende hieß es rund um den Kaiserplatz, dem Konzernsitz der Commerzbank, dass Beumer so gut wie ausgeschieden sei aus dem Rennen um Blessings Nachfolge. Das mag aus damaliger Sicht gestimmt haben; aus heutiger Sicht war es eine Fehleinschätzung.

Sofern der Aufsichtsrat es nicht doch noch irgendwie schafft, einen Externen für den Knochenjob bei der Commerzbank - auf den Blessing augenscheinlich keine Lust mehr hat, weil er weiß, dass es eher schlechter wird als besser - zu begeistern, ist Beumer die heißeste Wette auf den CEO-Posten.

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