Freitag, 16. November 2018

Wall-Street-Ikone startet Kreditplattform Wie Goldman sich im Privatkundengeschäft ausprobiert

Im Namen des Gründers: Goldman-Sachs-CEO Lloyd Blankfein.

Seit ihrer Gründung vor mehr als 147 Jahren definiert sich die Investmentbank Goldman Sachs als Hochleistungs-Adresse der New Yorker Finanzelite. Wer kein millionenschweres Vermögen vorweisen konnte, kam als Kunde kaum in Frage. Doch damit ist nun Schluss, die Bank drängt mit Krediten und Konten für jedermann in den Massenmarkt.

Vor wenigen Tagen startete Goldman Sachs seine Online-Kreditplattform "Marcus", benannt nach Gründungspartner Marcus Goldman. Zum ersten Mal in seiner Geschichte öffnet sich das Geldhaus, das lange Zeit nur Unternehmenskunden und Superreiche als Klienten akzeptierte, für durchschnittliche US-Bürger. "Marcus" solle eine Alternative zu Kreditkarten bieten, sagt Harit Talwar, der Leiter der neuen Plattform.

Goldman Sachs verspricht gebührenfreie Darlehen über bis zu 30 000 Dollar mit festen Zinssätzen bei Laufzeiten von zwei bis sechs Jahren. Bereits seit April bietet die Bank Sparkonten ohne Mindesteinlage an. Diese Sparte hatten die Goldmänner 2015 inklusive Kundengeldern von rund 16 Milliarden Dollar vom US-Industrieriesen General Electric (GE) übernommen worden.

Mit dem Vorstoß in den Massenmarkt folgt Goldman der derzeit weltweit erfolgreichsten Bank JP Morgan. Durch die strengere Regulierung, mit der die US-Behörden auf die Exzesse vor dem Platzen der Subprime-Kreditblase reagiert haben, ist die Profitabilität im Investmentbanking gesunken - eine Entwicklung, unter der auch die Deutsche Bank leidet.

Die Wirtschaftsberatung PricewaterhouseCoopers sieht im Privatkundengeschäft gute Chancen. "Wir glauben an eine strahlende Zukunft", heißt es in einer Studie. Denn an der wirtschaftlichen Notwendigkeit klassischer Banken werde sich trotz neuer Wettbewerber aus der Fintech-Welt nichts ändern. Allerdings müsste die Branche sich den durch technologischen Wandel veränderten Kundenansprüchen anpassen. Goldman versucht deswegen erst gar nicht, den Filialen des Rivalen JPMorgan etwas entgegenzusetzen, sondern beschränkt sich auf ein digitales Angebot.

Durch die Ausrichtung auf Kreditvergabe im Internet spart sich die Bank ein teures Filialnetz mit hohen Personalkosten. Goldman kann die von GE übernommenen Kundeneinlagen über seine Online-Plattform zu attraktiven Zinsen verleihen, selbst aber noch günstiger verzinstes Zentralbankgeld beziehen und so von der laxen Politik der US-Notenbank Fed profitieren. Das ist ein großer Vorteil in einem Markt, in dem Fintech-Rivalen ohne Banklizenz und eigene Einlagen mühsam zwischen Kreditgebern und -nehmern vermitteln müssen.

"Zahl weniger Zinsen mit einem Darlehen von "Marcus"", heißt es auf Goldmans neuer Website zunächst sehr einladend. Doch ganz ohne Star-Allüren geht der Einstieg ins breite Endkundengeschäft dann offenbar auch wieder nicht. Denn für den Anfang dürfen sich nur Kunden um Kredite bewerben, die über relativ gute Bonität verfügen und per Brief eine Einladung von Goldman erhalten haben.

dpa, soc

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