Donnerstag, 20. September 2018

Spekulation über Goldman-Chef Blankfein scherzt über Rücktritt - Dementi klingt anders

Goldman Sachs-CEO Lloyd Blankfein

Der Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs hat mit Humor auf einen Zeitungsbericht über seinen baldigen Abschied reagiert. "Ich komme mir vor wie Huck Finn, der seiner eigenen Grabrede lauscht", schrieb Lloyd Blankfein am Freitag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Damit spielte er auf den Jugendliteratur-Klassiker "Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn" von Mark Twain an, in dem die beiden Jungen für tot gehalten werden und aus einem Versteck heraus ihre eigene Trauerfeier verfolgen.

Ein paar Stunden zuvor hatte das "Wall Street Journal" geschrieben, dass Blankfein nach zwölf Jahren im Amt seinen Rückzug vorbereite. Schon zum Ende dieses Jahres könne es soweit sein, wobei Blankfein die Sache selbst in der Hand habe, hieß es unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Die Aktie des Geldhauses gab an der Wall Street nach dem Bericht einen Teil ihrer Kursgewinne ab. "Das ist die Ankündigung des WSJ und nicht meine", erwiderte Blankfein auf Twitter. Ein klares Dementi klingt wohl anders. Eine Bank-Sprecherin hatte zuvor einen Kommentar abgelehnt.

Blankfein ist für zahlreiche Bewunderer wie Kritiker gleichermaßen das Gesicht der Wall Street. Unter dem 63-Jährigen festigte Goldman Sachs den Ruf als Gelddruckmaschine, wobei die Geschäfte zuletzt schleppender liefen. In der Finanzkrise musste sich Blankfein den Vorwurf gefallen lassen, Goldman Sachs habe Kunden über den Tisch gezogen. Sein Spruch, er sei nur ein Banker, der Gottes Werk verrichte, zeigt bis heute in den Augen vieler Beobachter die Überheblichkeit der Geldelite.

Dass Blankfein in nicht allzu ferner Zukunft die Fäden aus der Hand geben könnte, ist wenig überraschend. Laut "Wall Street Journal" ist auch die Frage der Nachfolge schon weitestgehend geregelt: Die Firmenpräsidenten Harvey Schwartz und David Solomon würden das Rennen unter sich ausmachen, schrieb die Zeitung. In jedem Fall würde ein Chefwechsel in naher Zukunft auf ein historisches Datum fallen: Im Jahr 2019 feiert Goldman Sachs das 150-jährige Bestehen.

Blankfein steht Ende dieses Jahres seit mehr als zwölf Jahren an der Spitze der US-Bank. Er ist damit einer der dienstältesten Chefs an der Wall Street. Dabei startete seine Karriere durchaus nicht harmonisch: 1981 bewarb sich der Jurist bei Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, wurde jedoch zunächst abgelehnt.

Das änderte sich allerdings: 2004 stieg Blankfein zum Vize-Präsidenten der Bank unter deren Chef, dem späteren US-Finanzminister Henry Paulson, auf. 2006 ersetzte er Paulson auf dem Chefsessel. Er manövrierte die Bank daraufhin durch schwierige Zeiten, mit der US-Immobilien-Krise sowie der Finanzkrise, während der Goldman Sachs zum Teil heftig in die Kritik geriet.

Inzwischen bemüht sich Goldman Sachs um eine breitere Aufstellung. Neben dem traditionellen Investmentbanking werden zunehmend weitere Geschäftsfelder auf- und ausgebaut, wie beispielsweise auch das Kreditgeschäft mit breiteren Kundenschichten.

Auch finanziell gehört Blankfein nach all den Jahren an der Bankspitze zu den Ausnahmegrößen an der Wall Street: Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg schätzte sein Vermögen vor wenigen Jahren auf mehr als eine Milliarde Dollar.

cr/rtr/dpa

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