Samstag, 1. Oktober 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Nach monatelangen Verhandlungen Finanzaufsicht stellt Deutscher Bank in Libor-Affäre gutes Führungszeugnis aus

Kann einklappen: Deutsche-Bank-Niederlassung in London

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat der Deutschen Bank in der so genannten Libor-Affäre entlastende Fortschritte attestiert. Die Affäre, in die weltweit zahlreiche Banken verwickelt waren, hatte milliardenschwere Manipulationen der wichtigsten Interbanken-Zinssätze (IBOR) offengelegt. Finanzaufsichts-Behörden hatten daraufhin weltweit untersucht, welche Top-Manager in den jeweiligen Banken dafür verantwortlich waren und inwieweit die Manipulationen System hatten. Zudem hatten sie milliardenschwere Strafen verhängt - auch gegen die Deutsche Bank.

Die BaFin erkennt laut Deutscher Bank nun an, "dass der Vorstand der Bank die geübte Kritik ernst nimmt und ein klares Bekenntnis dazu abgelegt hat, die Defizite aufzuarbeiten und mit Abhilfemaßnahmen zu unterlegen. Sie fordert die Bank auf, die geplanten Maßnahmen weiter zu konkretisieren und schnellstmöglich umzusetzen."

Damit werden weitere Sanktionen auch gegen ehemalige Vorstände wie den Ex-Chef Anshu Jain aus der Libor-Affäre seitens der BaFin obsolet. "Die BaFin erachtet es demnach nicht als notwendig, weitergehende Maßnahmen aus den abgeschlossenen Sonderprüfungen gegen die Deutsche Bank oder einzelne frühere und gegenwärtige Mitglieder des Vorstands zu ergreifen", teilte die Deutsche Bank am späten Donnerstagnachmittag mit.

Diesem Abschlussbericht zu der Rolle der Deutschen Bank in der Affäre, der mehrere Dutzend Seiten dick sein soll, sind nach Informationen von manager-magazin.de monatelange Verhandlungen zwischen Bank und BaFin vorausgegangen, unter anderem auch auf Geheimtreffen von Behördenchef Felix Hufeld und Deutsche-Bank-Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen. Ursprünglich war die finale Fassung des Berichts bereits für den frühen Herbst vorgesehen. Teil der nun erzielten Abmachung ist offensichtlich auch von der BaFin genehmigten Pressemitteilung der Bank, in der sie vielfach versichert, sich weiter bessern zu wollen.

Die Brisanz bezieht der Abschlussbericht aus den möglichen Folgen für ehemalige und aktive Vorstände der Bank. In einer vorläufigen Fassung vom Mai 2015 hatte die BaFin den Eindruck erweckt, zahlreiche Vorstände und Spitzenkräfte der Bank hätten von den Libor-Manipulationen wissen müssen und seien deswegen möglicherweise mitschuldig. Namentlich genannt wurden etwa der damalige Co-CEO Anshu Jain, Asien-Chef Alan Cloete, Vermögensverwaltungschef Michele Faissola, der ehemalige Rechtsvorstand Stephan Leithner oder auch Risikochef Stuart Lewis. Je härter die Vorwürfe der BaFin in dem Abschlussbericht gegen einzelne Personen ausfallen, desto schärfer muss die Bank wegen möglicher Schadensersatzforderungen gegen sie vorgehen.

Andererseits steht aber auch für die BaFin einiges auf dem Spiel: Sollte sich ihr - zwischenzeitlich in die Öffentlichkeit gelangte Zwischenbericht als zu hart und vorverurteilend erweisen - muss sie mit Gegenattacken der betroffenen Spitzenmanagern rechnen. Cloete beispielsweise hatte bereits im vergangenen Jahr rechtliche Schritte angedroht.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH