Freitag, 26. August 2016

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Sal. Oppenheim Prozess Als der Graf von Krockow Parkplätze mit Büroflächen verwechselte

Matthias Graf von Krockow (am Mittwoch im Landgericht): "Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich vieles anders machen"

Erstmals hat Ex-Bankchef Matthias Graf von Krockow im Sal.-Oppenheim-Strafprozess Fehler eingeräumt und Reue gezeigt. Der Graf entschuldigt sich - und gibt Einblicke in einen Managementstil, der an Fahrlässigkeit kaum zu überbieten ist.

Köln - Mehr als 100 Verhandlungstage hat Matthias Graf von Krockow (65) seit Mitte 2013 in Saal 210 des Kölner Landgerichts verbracht. Die morgendlichen Begrüßungen seiner Mitangeklagten Christopher von Oppenheim, Josef Esch, Dieter Pfundt und Friedrich Carl Janssen ertrug er stoisch. Während der Beweisaufnahmen blickte er in seinen Laptop, blätterte in Papieren oder starrte an die Decke. In den Pausen schlurfte er gebeugt durch die Gänge des Gerichts.

Der dunkle Anzug, die Manschettenknöpfe, das Einstecktuch - sie wirkten wie ein Kostüm, das verdecken sollte, wie tief der Fall des Ex-Chefs der einstmals größten Privatbank Europas, Sal. Oppenheim, ist, den Krockow sich und seiner Sippe eingebrockt hat. 2009 verlor das Bankhaus nach mehr als zwei Jahrhunderten seine Eigenständigkeit und wurde an die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen verkauft.

Nicht nur grobe Managementfehler sind dafür verantwortlich. Die Staatsanwaltschaft wirft den Ex-Oppenheimern auch Untreue zulasten des Bankhauses bei mehreren Geschäften rund um Immobilien und den Warenhauskonzern Arcandor (vormals: Karstadt-Quelle) vor, dem Immobilienmann Esch Beihilfe dazu.

Alle haben die Vorwürfe von Beginn des Prozesses an bestritten. Aber Krockows einstige Kompagnons haben immerhin ihre Sicht der Dinge dargelegt. Christopher von Oppenheim zeigte sich zerknirscht und übernahm Verantwortung für einige Vorgänge, stellte sich aber auch als Junior-Manager unter der Fuchtel des mächtigen Grafen dar.

Der Graf bricht sein Schweigen - und entschuldigt sich

Janssen und Pfundt trugen vor, sie seien gar nicht so eng in die Entscheidungen eingebunden gewesen, weil sie - anders als Baron Oppenheim und Graf Krockow - ja nicht zur Familie der Gesellschafter gehörten. Esch, der Immobilienjongleur aus Troisdorf, tischte dem Gericht die Geschichte des kleinen Josef auf, der demütig und dankbar mit den großen Oppenheim-Bankern einige Geschäfte machen durfte und ansonsten an vielen Deals eher nur am Rande beteiligt gewesen sein will.

Matthias von Krockow - schwieg. Bis Mittwochmorgen um 10:20 Uhr. Da beginnt der Graf, stockend und mit teilweise brüchiger Stimme, mit dem Verlesen einer anderthalbstündigen Erklärung. Der Ex-Bankier zeigt Reue, nennt einige Vorwürfe zutreffend, gelobt, "Verantwortung übernehmen" zu wollen, räumt ein, persönliche Vermögensinteressen nicht immer sauber von denen des Bankhauses unterschieden zu haben, und entschuldigte sich sogar bei den ehemaligen Mitarbeitern, von denen viele ihre Jobs verloren.

So weit, so ehrenhaft. Aber die Einblicke, den Krockows Aussage in sein Wirken als Bankchef gestattet, lassen einen an Lässigkeit, Fahrlässigkeit, Naivität und Überheblichkeit kaum zu überbietenden Managementstil erkennen - also genau das, was nicht nur die Staatsanwaltschaft den Bankoberen vorwirft, sondern auch zahlreiche prominente Ex-Kunden, die wegen missratener Oppenheim-Esch-Fondsinvestments in diversen Prozessen Schadenersatz von Sal. Oppenheim fordern.

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