Montag, 25. Juli 2016

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Trendwende Unternehmen investieren wieder auf Pump

Frankfurter Bankenviertel:

Die Banken haben ein Problem: Kaum ein guter Schuldner will ihr Geld haben. Doch erstmals seit über einem Jahr fragen deutsche Unternehmen wieder etwas mehr Kredite nach. Bereiten sie sich für den Aufschwung vor?

Hamburg - Bei der Kreditnachfrage bahnt sich eine Trendwende an: Wie die Finanzierungsberatung Barkow Consulting auf Basis vorläufiger Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) errechnet hat, stieg der Kreditbestand deutscher Banken bei deutschen Unternehmen im Dezember 2013 wieder an - erstmals seit September 2012.

Zuletzt hingegen war die Angst vor einer neuen Krise fast überall spürbar. Trotz historisch niedriger Kreditzinsen hielten sich deutsche Firmen bei Investitionen zurück, fragten kaum noch neue Kredite, zehrten stattdessen lieber von ihrer Substanz. Diese Starre scheint sich aufzulösen. "Die deutschen Unternehmen positionieren sich derzeit offenbar für einen Aufschwung", sagt Peter Barkow, Inhaber von Barkow Consulting.

Steigende Zuversicht bei deutschen Firmen hatte zuletzt auch die staatseigene Förderbank KfW gemessen. In ihrem vor wenigen Tagen veröffentlichten Mittelstandsbarometer führte sie an, deutsche Unternehmen seien Anfang 2014 so gut gestimmt wie seit Juli 2011 nicht mehr, getragen vor allem von ihren Erwartungen. Diese Stimmung herrsche in fast allen Branchen vor, lediglich der Einzelhandel sei etwas weniger zufrieden. "Im Mittelstand stehen die Zeichen weiter auf Aufschwung", sagte Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW.

Noch ist freilich offen, ob der Trend anhält. "Die Wende in der Kreditvergabe insgesamt steht noch auf unsicherer Basis", sagt Barkow. Offen sei auch noch, ob die Firmen mit den Krediten erst einmal nur ihre Lagerbestände aufstockten oder wirklich in Wachstum investierten. Immerhin aber stieg der Kreditbestand deutscher Unternehmen im Dezember um 0,2 Prozent an. Und: Bei weiter anziehendem Wirtschaftswachstum werde sich der Trend wahrscheinlich auch im laufenden Jahr fortsetzen, sagt Barkow.

Commerzbank-Chef Blessing: "Wir merken, dass es wieder leicht losgeht"

Nicht nur für die Volkswirtschaft insgesamt, auch für die deutschen Banken wären das gute Nachrichten. Seit dem großen Knall vor fünf Jahren erfreut sich der deutsche Mittelstand, das Rückgrat aus Industrie und Handwerk, wieder neuer Beliebtheit bei den Geldhäusern. Auf das Schlagwort "Firmenkundenoffensive" kann heute kaum noch eine Bank verzichten, das Mittelstandsgeschäft bildet bei allen Kern des Geschäftsmodells.

Nicht nur inländische wie Landesbanken, Sparkassen und private Institute, sondern auch ausländische Adressen graben Deutschlands Unternehmen daher an wie nie. So sehr, dass viele bereits von einem ruinösen Wettbewerb sprechen, vor allem im Kampf um die überschaubare Anzahl von Firmen mit guter Bonität und einem Jahresumsatz von mindestens 500 Millionen Euro. Verschlimmert wurde die Situation für die Banken zuletzt durch die Zurückhaltung der Firmen, überhaupt Kredit nachzufragen. Entsprechend bröckelten die Margen, also das, was die Geldhäuser an den Darlehen verdienen.

Commerzbank-Chef Martin Blessing bezeichnete die Politik der Firmen am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz daher auch als "ein Thema, das uns auch volkswirtschaftlich sehr beschäftigt". "Wir haben immer noch das Gefühl, dass Investitionen oft geschoben werden. Wir merken, dass es wieder leicht losgeht, aber noch nicht massiv".

Bislang ist das Phänomen steigender Kreditnachfrage vor allem in Deutschland zu beobachten. Wie die Europäische Zentralbank am Donnerstag in ihrem aktuellen Monatsbericht darlegt, blieb die Kreditnachfrage in der Eurozone im Schlussquartal 2013 insgesamt schwach. Aber auch hier scheint sich die Lage ein wenig aufzuhellen: "Unter dem Strich verlangsamte sich der Nachfragerückgang bei den Unternehmenskrediten und näherte sich seinem historischen Durchschnitt", schreibt die EZB.

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