Freitag, 27. Mai 2016

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Datendiebstahl bei Kreditech Dieses Kredit-Startup wurde mit geklauten Daten erpresst

Kreditech: Für die junge Firma ist der Datenraub ein herber Schlag - schließlich ist die Auswertung sensibler Daten Kern des Geschäftsmodells

Eingescannte Personalausweise, Kontoauszüge, Telefonnummern - es ist ein Datenschatz aus besonders sensiblen Informationen, der hier ausgerechnet einem Unternehmen geraubt wurde, das mit Daten sein Geld verdient. Es sind die Dokumente tausender potentieller Kunden, die sich über Tochterunternehmen des Hamburger Startups Kreditech Geld leihen wollten und der Firma deshalb zur Prüfung der Kreditwürdigkeit ihre persönlichen Daten überließen.

So glaubte der Datendieb wohl, das Team um die Gründer Sebastian Diemer und Alexander Graubner-Müller mit der Veröffentlichung seiner Beute erpressen zu können. Doch die Geschäftsführung ging scheinbar nicht darauf ein, denn die Daten geistern, garniert mit hämischen Kommentaren, nun bereits seit mehreren Wochen durchs Internet. Bis heute sind Teile davon online zu finden.

Das Landeskriminalamt ermittelt in dem Fall wegen Erpressung gegen Unbekannt. Das teilte die Hamburger Staatsanwaltschaft auf Anfrage des manager magazins mit. Als Geschädigter wird dort Oliver Prill geführt, der COO von Kreditech.

Zum konkreten Tathergang sind bislang kaum Details bekannt. Laut Polizei verschaffte sich der Dieb vom internen Firmennetz aus Zugriff auf einen Zwischenspeicher für Antragsdaten, der die sensiblen Kundendaten enthielt. Ein Hackerangriff von außen könne demnach ausgeschlossen werden. Beobachter munkeln deshalb, dass es die Tat eines ehemaliger Mitarbeiters gewesen sein könnte, der Zugang zu den Firmenrechnern hatte.

Hochpreisige Kurzzeitdarlehen - eines der erfolgreichsten Fintechs in Deutschland

Ende März hatte zunächst das Portal "Gründerszene" über den zuvor geheim gehaltenen Diebstahl berichtet, was in der Szene für einigen Wirbel sorgte. Kreditech und die hochpreisigen Kurzzeitdarlehen seiner Töchterfirmen sind umstritten, ehemalige Mitarbeiter beklagen einen rauen Führungsstil.

Dennoch gilt das Unternehmen, das mittlerweile über 220 Mitarbeiter zählt und erst im Januar 200 Millionen Dollar vom US-Investor Victory-Park einwerben konnte, als eines des erfolgreichsten Finanz-Startups (Fintech) in Deutschland.

Unklar ist bislang, wann genau die Daten gestohlen wurden und wann die Geschäftsführung davon erfuhr bzw. darauf reagierte. Kreditech teilt auf Anfrage mit, "im Sommer 2014 von dem einzelnen internen Sicherheitsereignis" erfahren und "sofort die Polizei informiert" zu haben. Nach Informationen des manager magazins wusste zumindest die Hamburger Polizei jedoch erst ab dem 11. Dezember 2014 von dem Vorfall, die Akte der Staatsanwaltschaft datiert auf den 18. Dezember. Eine in den gestohlenen Daten enthaltene Protokolldatei (Logfile) soll auf den 19. August als wahrscheinlichen Tattag deuten.

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