Freitag, 30. September 2016

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Sparkassen-Image Tatort Duisburg

picture alliance / dpa

Die Deutschen lieben ihre Sparkassen. Dabei haben viele Institutschefs das Fingerspitzengefühl dafür verloren, was noch angemessen ist und was schon maßlos - das zeigt ein aktueller Fall im hochverschuldeten Ruhrgebiet. Die Kassen riskieren ihren Status als Säulenheilige der Finanzbranche.

Auf den ersten Blick ist es eine Lokalposse: Hans-Werner Tomalak, Ex-Chef der Sparkasse im hochverschuldeten Duisburg, sollte der Abschied aus dem Berufsleben versüßt werden. 65 Prozent seiner letzten, anrechnungsfähigen Bezüge von 550.000 Euro sollte er als Pension erhalten, umgerechnet fast 30.000 Euro monatlich. Ein flauschiges Ruhekissen und sogar mehr als der Rheinische Sparkassenverband empfiehlt, der für Sparkassenchefs maximal 55 Prozent Rente für angemessen hält.

Und doch war diese Empfehlung nicht genug: Kurz vor Tomalaks Eintritt in die Pension erhöhte der Hauptausschuss des Sparkassen-Verwaltungsrates im Beisein von Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link die Pension 2013 auf 65 Prozent der Bezüge. Lediglich drei Lokalpolitiker von CDU und SPD, so berichtet es die Tageszeitung "WAZ", votierten dagegen. Erst als der Coup öffentlich wurde, lenkte Link ein und kassierte die Rentenerhöhung so rasch, wie sie beschlossen worden war.

Für die Sparkassen ist die Kungelei zwischen Sparkasse und Politik in Duisburg peinlich. Schließlich grenzen sie sich bewusst ab gegen die vermeintlichen Gierbanker der Privatbanken. In der Öffentlichkeit verfängt das Gutmenschen-Image bestens, die Deutschen lieben ihre Sparkassen. Dass deren Töchter, die Landesbanken, wegen außerbilanzieller Geschäfte mit Steuermilliarden gerettet werden mussten, ist den meisten irgendwie durchgerutscht. Wie auch kaum Aufhebens darum gemacht wird, dass Chefs größerer Sparkassen im Schnitt rund 500.000 Euro verdienen.

Das Sparkassen-Image bekommt immer mehr Kratzer

Dabei beziehen die Sparkassen ihre Legitimation aus ihrem gemeinwohlorientierten Selbstverständnis. Und natürlich hat ihre Rolle als Kreditspender der regionalen Wirtschaft in der Krise stützend gewirkt. Beides tragen die Institute denn gerne vor sich her. Ernsthaft ans Leder will den Instituten vorerst nicht einmal mehr die EU-Kommission, auch wenn die Kassen gerne über die Regulierung klagen.

Fälle wie der von Tomalak aber passen nicht zu ihrem Image. Und das bekommt in letzter Zeit immer mehr Kratzer. Monate lang Schlagzeilen machte etwa die Sparkasse Ulm: Die hat Kunden aus hochverzinsten Ratensparverträgen in für die Kasse günstigere Sparpläne drängen wollen und Widerspenstigen mehr oder weniger offen mit Kündigung gedroht. Der Fall wird seit März vor Gericht verhandelt.

Oder die Sparkasse Miesbach-Tegernsee: Deren Ex-Chef richtete dem CSU-Landrat eine Geburtstagsfeier aus, die stattliche 118 000 Euro verschlang und als Kundenveranstaltung verbucht wurde. Dass im Zuge des Skandals kostspielige Italien-Reisen, aufwendige Renovierungsarbeiten des Landratsbüros oder der Kauf einer Almhütte aufgedeckt wurde, rundete das für Sparkasse und Lokalpolitik unschöne Bild ab.

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