Donnerstag, 26. Mai 2016

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Banker-Boni Eine Lanze für die KfW

Kreditanstalt für Wiederaufbau: Zwei KfW-Vorstände bekamen jeweils 110.000 Euro Bonus - völlig zu recht. Denn der KfW-Vorstand ist besser als andere Banker

Selbst unterdurchschnittlich erfolgreiche Banker erfreuten sich über viele lange Jahre an überdurchschnittlich hohen Gehältern. Doch wer sich über die Vergütungspraxis der staatlichen KfW aufregt, ist auf der falschen Baustelle.

Selbst unterdurchschnittlich erfolgreiche Banker erfreuten sich über viele lange Jahre hinweg an überdurchschnittlich hohen Gehältern. Genug Anlass eigentlich für Kapitalgeber, Regulierer, Börsenaufsicht und Medien, da einmal richtig drauf zu hauen. Doch statt Deutsche Bank und Co. trifft die Medienschelte nun ausgerechnet die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW, weil zwei Vorstände zum 25. Dienstjubiläum je knapp 110.000 Euro Bonus erhalten haben. Geht's noch?

Die Förderbank ist nach Bilanzsumme die drittgrößte Bank Deutschlands, hinter Deutsche Bank und Commerzbank. Die beiden Branchenführer stellt die KfW jedoch leicht in den Schatten: 2015 belief sich ihr Konzerngewinn auf über zwei Milliarden Euro. Nur zur Erinnerung: Die Deutsche Bank meldete einen Rekordverlust von sieben Milliarden Euro und musste gerade versichern, dass sie nicht nur in der Lage ist, ihre Schulden zu bedienen, sondern auch bereit ist, Anleihen zurückzukaufen, um den Absturz der Aktie aufzuhalten.

Die Vorstände der Deutschen Bank kassieren traditionell Millionengehälter - und da es nun angesichts all der Skandale und Rechtshändel mit den Boni nichts wurde, hat der Aufsichtsrat den beiden Chefs eben die festen Bezüge erhöht - um 79 Prozent, wie eine Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) im vergangenen Sommer feststellte. Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die derart bedachten Chefs, sind inzwischen Geschichte, dennoch zeigt der Vorgang die in der privaten Finanzbranche übliche Großzügigkeit mit den Chefs - ob sie nun Erfolg haben oder nicht.

Heiner Thorborg
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    Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder International gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co KGaA (Frankfurt), die Heiner Thorborg & Co. (Zürich), die Initiative "Generation CEO", "The Female Factor" sowie thorborg&virzí mit den Standorten Frankfurt und Zürich.
Die beiden Vorstände der KfW, die nun ins Visier der Berufsneider gekommen sind, beziehen dagegen ein Jahresgehalt von 525.253 Euro. Dazu kommen nun - nach einem Vierteljahrhundert im Dienst - 110.000 Euro Sonderbonus.

Nun mag man sagen, Günther Bräunig und Norbert Klappenburg, die beiden mit Jubiläumsgeldern bedachten Herren, seien eben auch nicht so gut wie "richtige Banker". Es stimmt, 2008 handelte sich die KfW mit einer einzigen Transaktion den Titel als "dümmste Bank" Deutschlands ein. Damals überwies das automatisierte System der Bank noch 320 Millionen Euro an Lehman Brothers, als schon feststand, dass die Investmentbank längst insolvent war.

Damals wurde überall gelacht, nur nicht auf den Vorstandsetagen der KfW. Es stimmt zudem, dass im Verwaltungsrat der Bank jede Menge Politiker und Verbandsfunktionäre sitzen. Korrekt ist auch, dass die KfW davon profitiert, sich als öffentliche Einrichtung günstiger als andere am Kapitalmarkt refinanzieren zu können, bei den aktuellen Niedrigzinsen wohl nahezu umsonst.

Der KfW-Vorstand ist besser als andere Banker

Der KfW-Vorstand ist nicht nur so gut wie andere Banker. Er ist besser. Im Gegensatz zu großen Teilen der Konkurrenz hat die KfW nämlich nicht nur die Finanzkrise unbeschadet überstanden, sondern nutzt seither auch das gute Konjunkturumfeld in Deutschland erfolgreich. Trotz all der ehemaligen Politgranden im Verwaltungsrat. In Form von zinsgünstigen Darlehen reicht die Bank ihr Kapital - 2015 betrug das Fördervolumen knapp 80 Milliarden Euro - offensichtlich an die richtigen Unternehmen und Projekte weiter. Daher der Milliardengewinn. Und die Bonuszahlungen.

Auch im internationalen Vergleicht ist die KfW unter den Instituten, die sich nicht schämen müssen. Bei der Schweizer Credit Suisse hingegen, die 2014 noch 3,3 Milliarden Franken Boni auszahlte, muss der neue Chef Tidjane Thiam nun mit 2,9 Milliarden Franken Minus für 2015 in den Büchern richtig auf die Bremse treten. Das wird auch Zeit, denn während Vorsteuergewinn und Eigenkapitalrendite eher nachgaben, hielt sich die Vergütung des ehemaligen CS-Chefs Brady Dougan seit 2011 stabil. Dazu schreibt die Neue Zürcher Zeitung: "Wie glaubwürdig ist die Arbeit von Vergütungsausschüssen?" Auf die Antwort warten wir noch, auch bei der UBS, die ebenfalls bemüht ist, die Vergütungskosten zu drücken.

Eigentlich rede ich ungern öffentlich über Vorstandsgehälter. Zu schnell werden da Äpfel und Birnen verglichen, Neidkomplexe spazieren geführt und individuelle Leistung falsch evaluiert. Doch im konkreten Fall von Bräunig und Klappenburg gilt es nun, eine Lanze zu brechen. Nicht nur bekommen jede Menge Mitarbeiter in allen möglichen Branchen nach 25 Jahren ein Extra für ihre Loyalität, sondern es muss auch weiterhin gelten dürfen: Wer gut arbeitet, wird entsprechend gut bezahlt. Und wer sich über die Vergütungspraxis der KfW aufregt, ist nun wirklich auf der falschen Baustelle.

Heiner Thorborg ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.


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