Donnerstag, 24. Mai 2018

Streit um Verantwortung für Deutsche-Bank-Misere Was an Josef Ackermanns Nachfolgerschelte dran ist

Josef Ackermann, 2010 als Deutsche-Bank-Chef

Josef Ackermann hat einen passenden Zeitpunkt gewählt, um sich wieder in Erinnerung zu rufen. Zum einen, weil sein eigener 70. Geburtstag an diesem Mittwoch bevorsteht und er so schon einmal selbst den Ton für eine Laudatio setzen kann. Zum anderen, weil sein Nach-Nachfolger als Deutsche-Bank-Chef John Cryan gerade so überhaupt nicht glänzt und das dritte Verlustjahr in Folge geschrieben hat.

Cryan stellt seine Performance als notwendige Sanierungsarbeit dar, die zu spät begonnen habe - ein Versäumnis seiner direkten Vorgänger Jürgen Fitschen und Anshu Jain also, mehr aber noch Josef Ackermanns, der bis Mitte 2012 Chef der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen war: "Wir wären heute in besserer Verfassung, wenn wir das, was wir in den vergangenen zwei Jahren erledigt haben, schon vor sechs oder sieben Jahren getan hätten", sagte Cryan im vergangenen Sommer.

Ackermann, seit Jahren als Urheber der fast sechs Jahre nach seinem Abgang noch nicht beendeten Misere verschrien, will das nicht auf sich sitzen lassen. "Öffentlich mit dem Finger auf Vorgänger oder Nachfolger zu zeigen, ist nicht mein Stil", sagte er der Deutschen Presseagentur - um dann doch genau das zu tun: "Im Übrigen sprechen die Fakten lauter als Worte." Und diese Fakten zeigen ihm zufolge, dass es in der Ära nach Ackermann ohne Not bergab mit dem wichtigsten Finanzkonzern des Landes ging.

Hätte Ackermann Recht, würde das Cryans Bitte um Geduld der Aktionäre und Mitarbeiter untergraben. Man hätte sich nicht nur die aktuellen Mühen, sondern auch den aus Cryans Sicht unzureichenden "Kulturwandel" der Phase Fitschen/Jain sparen können - und stattdessen einfach so weitermachen wie zuvor, mit besseren Ergebnissen.

Was also ist dran an Ackermanns Aussage, er habe "eine gut aufgestellte Deutsche Bank übergeben"? Hier sind die wichtigsten Punkte im Faktencheck.

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