Donnerstag, 30. Juni 2016

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Cryans Schocktherapie für die Deutsche Bank Die Methode Cryan - je härter, desto besser

Der Blick des Vollstreckers: John Cryan in einer Aufnahme von 2010 bei der UBS

Die Beschäftigten der Deutschen Bank müssen jetzt tapfer sein. Ebenso die Aktionäre. Der neue Chef räumt auf - ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Rücksicht auf seine Vorgänger.

Nach all den Hiobsbotschaften der vergangenen Jahre nun auch noch das: Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan stimmt Mitarbeiter und Aktionäre auf ein Minus von 6,2 Milliarden Euro für den Zeitraum Juli bis September ein - das ist der bisher höchste Verlust der Deutschen Bank in einem Quartal. Schlimmer als auf dem Höhepunkt der Finanzkrise: Da kam die Bank mit 4,8 Milliarden Euro Ende 2008 noch vergleichsweise glimpflich davon.

Der Aktienkurs Börsen-Chart zeigen drehte nach dem ersten Schock am Donnerstag zeitweise sogar ins Plus, der Verlust hielt sich bis zum Handelsschluss in Grenzen. Am Rekordtief der vergangenen Woche schrammte er vorbei. Der Börsenwert entspricht ohnehin schon weniger als dem halben bisher ausgewiesenen Buchwert.

Dividende weg? Na ja, wenigstens ist nicht schon wieder eine milliardenteure Kapitalerhöhung nötig, lautet der Tenor der Analysten. Von einer "Bilanzbereinigung" als "erster bedeutender Duftmarke" des neuen Chefs spricht Kian Abouhossein von JPMorgan anerkennend.

Cryan übersetzt: Ackermann war's

Cryan führt ein Unternehmen, von dem nicht mehr viel Positives erwartet wird - eine komfortable Lage. Er kann sich als Aufräumer präsentieren und die Verantwortung für die Einschnitte höflich, aber deutlich an seine Vorgänger addressieren.

Die roten Zahlen gehen vor allem auf Abschreibungen auf Firmenbeteiligungen zurück. "Wir stellten fest, dass die Bewertungen nicht mehr im Einklang mit den dafür bisher angesetzten Buchwerten stehen", schreibt Cryan den Mitarbeitern. "Diese Werte wurden in der Vergangenheit angesetzt, als wir Geschäftseinheiten für mehr als den Marktwert der entsprechenden Nettovermögenswerte erworben haben."

Der Konzernchef nennt die 1999 übernommene US-Bank Bankers Trust, die Postbank und die "nicht mehr strategische" chinesische Hua Xia. Alles einst als Weichenstellung für die Deutsche Bank gefeierte Deals, die mit dem Namen Josef Ackermann verbunden sind. Übersetzt heißt die Erklärung: Er war's.

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