Freitag, 16. November 2018

Milliardenzocker Kerviel bekommt hohe Entschädigung von Société Générale 5 Milliarden Euro verzockt - das reicht nicht für eine Kündigung

Skandalhändler Jerome Kerviel: "Kein ernsthafter Grund für eine Kündigung"

Ex-Börsenhändler Jerome Kerviel hat seinem Arbeitgeber Société Générale durch unerlaubte Spekulationsgeschäfte einen Schaden von 5 Milliarden eingebrockt - und saß dafür in Haft. Dennoch soll SocGen jetzt 450.000 Euro Entschädigung an Kerviel zahlen - dessen Kündigung sei nicht rechtmäßig.

Ein Pariser Arbeitsgericht hat dem als Milliardenzocker bekannten Ex-Börsenhändler Jérôme Kerviel mehr als 450.000 Euro für seine Entlassung durch die Großbank Société Générale zugesprochen. Da das Institut keinen "wirklichen und ernsthaften" Grund zu der Kündigung gehabt habe, müsse es Kerviel eine Entschädigung von 450.000 Euro zahlen, entschieden die Arbeitsrichter am Dienstag. Dies teilten Kerviels Anwalt und ein Gerichtsvertreter mit.

Das Gericht in Paris befand die Kündigung am Dienstag auch deshalb für unrechtmäßig, weil die Bank deutlich vor dessen Entlassung über Kerviels Geschäfte auf dem Laufenden gewesen sei. So habe sie Kenntnis von fiktiven Finanzoperationen ihres Händlers im Jahr 2007 gehabt. Die Umstände der Entlassung seien zudem "demütigend" für Kerviel gewesen.

Der Anwalt der Bank sprach von einer "skandalösen" Entscheidung und kündigte Berufung an.

Der Fall Kerviel ist einer der größten Skandale der Finanzgeschichte: Die Société Générale hatte 2008 bekanntgegeben, wegen dessen Spekulationsgeschäften einen Verlust von knapp 5 Milliarden Euro verursacht zu haben.

Kerviel wurde wegen Untreue, Fälschung und Manipulation von Computerdaten zu drei Jahren Haft verurteilt und hat seine Haftstrafe bereits abgesessen. Er hält sich aber für unschuldig und behauptet, sein früherer Arbeitgeber habe von den Geschäften gewusst.

Kerviel ist seit Juni 2015 wieder ein freier Mann. Ein Gericht hatte im September 2014 erlaubt, dass er den Rest der Haftstrafe bis Juni 2015 außerhalb der Haftanstalt mit elektronischer Fußfessel verbringen durfte.

Entschuldigung der Redaktion: In einer ersten Fassung hatten wir fälschlicherweise Kerviel als Ex-Arbeitnehmer der französischen Großbank BNP Paribas bezeichnet. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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