Sonntag, 18. November 2018

Jens Spahn und die 340 Prozent Wachstum Die Fintech-Luftnummer des CDU-Aufsteigers Spahn

Angela Merkel nach dem Bundesparteitag der CDU Anfang Dezember mit dem rebellischen Jens Spahn.

3. Teil: Fintech-Fluchtpunkt Berlin? Falsch gerechnet!

Bloß: Leider ist die Studie auch da, wo sich Angaben tatsächlich überprüfen und damit falsifizieren lassen, nicht sehr glaubwürdig. So befeuern die Autoren an einer Stelle die momentan sehr beliebte These, Fintechs flüchteten nach dem Brexit auf breiter Flur von London nach Berlin. Wörtlich heißt es: "Ausschlaggebend für eine Sitzverlegung der Fintechs dürfte vor allem die mit dem Brexit einhergehende Rechtsunsicherheit sein. […...] Die Singapurer Digital Bank WB21 Pte. und sechs weitere Unternehmen haben sich bereits dafür entschieden, ihr operatives Geschäft von London nach Berlin zu verlagern."

Die Singapurer Digitalbank WB21? Wer die Branche auch nur oberflächlich verfolgt, wird bei diesem Stichwort aufhorchen. Es handelt sich nämlich um jenes vermeintliche Milliarden-Fintech, an dessen Geschichte nach Recherchen von manager-magazin.de und weiterer Medien wie der"Financial Times" oder der "Süddeutschen Zeitung" seit Wochen erhebliche Zweifel bestehen. Hornuf verweist als seine Quelle für WB21 auf einen Artikel des "Wall Street Journals" von Ende September. "Zu diesem Zeitpunkt war uns nicht bewusst, dass es sich hier möglicherwiese um ein 'Schein-FinTech' handelt. Davon mussten wir in der Studie eine Vielzahl aussortieren. Zudem möchte wir darauf hinweisen, dass die Digitalbank selbst nur ein Nebenaspekt unserer Studie."

Weltbank ohne Banklizenz: Die Abenteuer-Story von WB21Und die sechs anderen Fintechs, die laut Studie von London nach Berlin gezogen sind? Der Bitte, die Namen zu nennen, kamen weder Spahns Finanzministerium noch die Autoren nach. Stattdessen wird als Quelle wieder auf den Text im "Journal" verwiesen. Dort werden immerhin drei Firmen explizit aufführt. Eines der Startups nennt sich MBJ und hat seinen Sitz jüngst tatsächlich aus der britischen in die deutsche Kapitale verlegt. Das Problem: Mit Fintech hat MBJ eher nichts zu tun. Es handelt sich um ein Büro für Webdesign.

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