Mittwoch, 19. Dezember 2018

Vatikanbank-Chef von Freyberg "Bis 2015 soll die Vatikanbank sauber sein"

Vatikanbank-Chef Ernst von Freyberg: Will jetzt durchgreifen

Der neue deutsche Chef der krisengeschüttelten Vatikanbank will durchgreifen. Im Interview mit dem manager magazin kündigte Ernst von Freyberg an, das Geldhaus bis zum Jahr 2015 zu einem sauberen und gut funktionierenden Institut zu formen - und "dem Papst Optionen zu schaffen".

Hamburg - Die Führung der durch eine Serie von Skandalen erschütterten Vatikanbank IOR (Istituto per le Opere di Religione) geht in die Offensive. Sein Mandat laufe bis 2015, bis dahin wolle er das Geldhaus zu einem sauberen und gut funktionierenden Institut formen, sagte der Präsident des IOR, Ernst von Freyberg, dem Hamburger manager magazin (Erscheinungstermin: 19. Juli). Seine Aufgabe sei es, dem Papst "Optionen zu schaffen", so von Freyberg. "Was der Heilige Vater dann mit dem IOR macht, ist seine Entscheidung."

Das "Institut für die religiösen Werke" steckt in einer schweren Krise. Anfang des Monats traten der Generaldirektor der Bank, Paolo Cipriani, und sein Stellvertreter Massimo Tulli von ihren Posten zurück. Kurz zuvor war ein ranghoher Rechnungsprüfer der vatikanischen Güterverwaltung Apsa wegen des Verdachts auf Betrug und Geldwäsche verhaftet worden. Der Monsignore hatte seine Bankgeschäfte über das IOR abgewickelt. Papst Franziskus ließ Ende Juni eine Untersuchungskommission einsetzen, die die Arbeitsweise der Bank überprüfen soll.

Der deutsche Investmentbanker von Freyberg, der die Leitung des IOR vor einem halben Jahr übernommen hat, lässt zurzeit sämtliche Konten des Instituts von einer spezialisierten Beraterfirma durchleuchten. Dass dabei weitere Unregelmäßigkeiten zutage treten, ist offenbar nicht unwahrscheinlich. Er könne nicht ausschließen, dass es im IOR nach wie vor geheime Nummernkonten gebe, sagte René Brülhart, Direktor der vatikanischen Finanzaufsicht AIF, dem manager magazin. "Ich kann nur sagen, dass ich dafür bislang keine Indizien habe", betonte der aus der Schweiz stammende Jurist.

Allerdings sei der Vatikan mit seinen Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche erheblich vorangekommen, so Brülhart. Die Standards des Kirchenstaates seien mittlerweile "vergleichbar mit Ländern wie Deutschland".

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