Montag, 11. Dezember 2017

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ING Diba schaufelt Robo-Berater Scalable 100 Millionen Euro zu Ist das der Durchbruch für die Roboter-Beratung?

Skalieren gerade: Die Scalable-Capital-Gründer Stefan Mittnik, Florian Prucker und Erik Podzuweit (v.l.).
Scalable Capital
Skalieren gerade: Die Scalable-Capital-Gründer Stefan Mittnik, Florian Prucker und Erik Podzuweit (v.l.).

Verhilft die ING Diba der digitalen Vermögensverwaltung in Deutschland zum Durchbruch? Die ersten Zahlen zumindest lesen sich beeindruckend: Denn wie Recherchen von "Finanz-Szene.de" zeigen, hat die Kooperation mit der Diba dem Münchner Robo-Advisor Scalable Capital bereits binnen weniger Wochen Zuflüsse von rund 100 Millionen Euro beschert. Diese Zahl lässt sich aus einer Investoren-Präsentation herleiten, die der niederländische Diba-Mutterkonzerns ING Groep anlässlich der Zahlen für das dritte Quartal auf seiner Website veröffentlicht hat.

In dem Fact-Sheet heißt es, ING-Diba-Kunden hätten seit dem offiziellen Start der Zusammenarbeit Mitte September pro Woche mehr als 1000 Kunden bei Scalable angelegt. Da die Kooperation inzwischen sieben Wochen alt ist und die Mindestanlagesumme bei 10.000 Euro liegt, müssen die "Assets under Management" in jedem Falle jenseits der 70 Millionen Euro liegen. Branchenkenner gehen allerdings davon aus, dass die tatsächliche Summe deutlich höher ist - und die 100-Mio-Euro-Marke sehr wahrscheinlich schon geknackt wurde oder dieser Tage geknackt wird. Die Zusammenarbeit funktioniert so, dass die ING Diba für jeden ihrer Kunden, der bei Scalable investiert, eine Provision von jährlich 0,42 Prozent des Anlagebetrags erhält.

Unter Branchenexperten gilt die Kooperation zwischen der Frankfurter Onlinebank und dem Münchner Fintech als Lackmustest, wie schnell sich die digitale Vermögensverwaltung in Deutschland etablieren lässt. Denn: Die ING Diba ist der erste große Player am deutschen Markt, der sich ernsthaft ins Robo-Geschäft stürzt. Die Volks- und Raiffeisenbanken (über ihren Fondsdienstleister Union Investment) und die Sparkassen (über die Deka) haben zwar längst eigene Robo-Adviser gegründet - bewerben diese aber praktisch gar nicht, weil sie fürchten, damit das einträglichere Geschäft mit klassischen Investmentfonds und Zertifikaten zu kannibalisieren. Die Deutsche Bank wiederum brachte vergangenes Jahr einen Robo an den Start, der gar kein Robo war - und bei den Kunden krachend durchfiel. Und die Commerzbank schickte lieber ihren Online-Broker Comdirect vor.

Tatsächlich konnte die Comdirect im Frühjahr auf einen ähnlich fulminanten Start verweisen wie jetzt die ING Diba: Im Mai an den Markt gegangen, hatte der Cominvest genannte Robo-Berater Ende Juni schon die 100-Mio.-Euro-Grenze durchbrochen. Seitdem hat sich das Wachstum allerdings merklich verlangsamt. So stand der Comdirect-Roboter zum Ende des dritten Quartals bei rund 150 Mio. Euro. Der Broker begründet die Verlangsamung damit, dass man die Marketingausgaben nach der Startphase deutlich reduziert habe. Abgesehen von Scalable und Cominvest weiß man nur noch von einem dritten Anbieter sicher, dass er die 100-Mio.-Euro-Schwelle geknackt hat: Liqid aus Berlin.

Scalable Capital lag im Spätsommer (damals noch ohne die ING Diba) nach eigenen Angaben bereits bei 300 Mio. Euro. Addiert man dazu die rund 100 Mio. Euro, die über die Oranje-Bank kamen, und jenes Geld, das die Münchner seitdem mit eigenhändig eingewoben hat - dann dürfte in Kürze auch die Meldung kommen, dass Scalable Capital als erster deutscher Robo-Advisor die 500-Millionen-Euro-Marke überquert hat.

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