Sonntag, 28. August 2016

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Ermisch löst von Oesterreich noch vor dem Sommer ab HSH Nordbank - neuer Chef, bald auch neue Eigentümer

Stefan Ermisch (l.) übernimmt den Chefposten der HSH Nordbank von Constantin von Oesterreich.

Der Vorstandsvorsitzende der sorgengeplagten Landesbank HSH Nordbank, Constantin von Oesterreich, verlässt das Geldhaus. Dazu hat der 62-Jährige seinen Aufsichtsratsvorsitzenden, Ex-Finanzstaatssekretär Thomas Mirow (63, SPD), nach Informationen von manager-magazin.de um Aufhebung seines noch bis Oktober 2017 laufenden Vertrags gebeten. Oesterreichs Nachfolger soll Stefan Ermisch (50) werden, sein bisheriger Stellvertreter und Finanzvorstand. Die HSH Nordbank ist damit nach Helaba, LBBW und NordLB innerhalb weniger Monate die vierte Landesbank, die den Chef wechselt.

Von Oesterreichs Entschluss fällt zwischen zwei entscheidende Phasen für den einst weltgrößten Finanzierer von Schiffsneubauten, der sich für den Steuerzahler nach der Hypo Real Estate und der WestLB zur größten Einzellast aus der Finanzkrise entwickelt hat. Erst vor wenigen Tagen hat die EU-Kommission dem finalen Stabilisierungsplan der Bank zugestimmt - dafür aber die anschließende Privatisierung verlangt.

Das Geldhaus drücken immer noch Finanzierungen in Höhe von offiziell rund 15 Milliarden Euro, die von den Gläubigern nicht vertragsgemäß bedient werden und deswegen für die Bank voraussichtlich Verluste einfahren werden. Mit Brüssel ist nun verabredet, Papiere im Wert von zunächst 5 Milliarden kapitalschonend in eine Holding einzulagern, die außerhalb des operativen Geschäfts der HSH Nordbank laufen soll. Zudem will die Bank Portfolien im Wert von derzeit 3,2 Milliarden Euro selbst möglichst ergebnisschonend über den Markt verkaufen. Weil die Länder die auflaufenden Verluste der Aktion mit Staats-Milliarden abpuffern, verlangt die EU-Kommission im Gegenzug einen Verkauf der Bank bis spätestens Ende 2018.

Seinen Entschluss zum Rückzug legte von Oesterreich in der Woche vor Ostern jeweils den Kapital- und Arbeitnehmervertreter des Aufsichtsrats dar, als die sich vor der Sitzung des Aufsichtsrats trafen, um über die Ergebnisse der Verhandlungen mit der EU-Kommission zu beraten. Nach Informationen von manager-magazin.de begründete der Risiko-Spezialist seinen Schritt damit, dass er die Bank durch EZB-Stresstest und EU-Verfahren gelotst habe, er demnächst 63 Jahre alt werde und für die Phase der Privatisierung nun mit Ermisch ein exzellenter neuer Lenker bereit stehe. Zudem kritisierte er, sich durch die Eigentümer der Bank nicht immer fair behandelt gefühlt zu haben. Bis zuletzt haben sowohl Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sowie der in Landesbank-Dingen reichlich uninspirierte Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Torsten Albig (SPD), von Oesterreich sogar die Ausstellung eines formalen Vertrags als Vorstandsvorsitzender verweigert. Zudem soll sich nach Informationen von manager-magazin.de aus dem Aufsichtsrat vor allem Hamburgs Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) wiederholt dagegen gewehrt haben, von Oesterreichs Gehalt von 500 000 Euro pro Jahr anzuheben - obwohl zuletzt sogar die EU-Kommission dies ausdrücklich erlaubt hatte.

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