Samstag, 10. Dezember 2016

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Milliardär verschwunden - Stellungnahme von Fosun Verschwundener Fosun-Chef Guo hilft angeblich Chinas Strafverfolgern 

Chinas President Xi Jinping: Er hat der Korruption den Kampf angesagt und weitet diesen zusehends auch auf die Privatwirtschaft aus

Wegen seiner spektakulären Firmenübernahmen in aller Welt gilt Guo Guangchang als "Warren Buffett Chinas". Jetzt ist der Milliardär nicht mehr aufzufinden. Hat Peking seine Finger im Spiel?

Guo Guangchang, einer der bekanntesten Unternehmer Chinas, ist laut chinesischen Medienberichten spurlos verschwunden. Der Star-Investor, der über sein Unternehmen Fosun zuletzt auch in Deutschland massiv auf Einkaufstour war, konnte seit Donnerstagmorgen nicht mehr von seinen Mitarbeitern erreicht werden. Das berichte am Freitag das chinesische Wirtschaftsmagazin "Caixin". Demnach könnte das Verschwinden des 48-Jährigen mit Korruptionsermittlungen gegen ihn in Verbindung stehen.

Fosun ließ am Nachmittag eine Stellungnahme verbreiten. Nachforschungen hätten ergeben, dass Guo "derzeit die chinesischen Strafverfolgungsbehörden bei Untersuchungen unterstütze", hieß es in der Stellungnahme. Guo habe die Möglichkeit, an wichtigen Entscheidungen des Unternehmens weiterhin teilzunehmen. Der Geschäftsbetrieb von Fosun laufe normal weiter. Das Unternehmen hatte am Freitag den Handel mit Aktien des Unternehmens in Hongkong dennoch stoppen lassen. Auch von Tochterunternehmen wurde der Aktienhandel ausgesetzt.

Nutzer von sozialen Netzwerken sollen laut "Caixin" beobachtet haben, wie der 48-Jährige am Flughafen von Shanghai von Polizisten abgeführt worden sei. Guo Guangchang, der als "Warren Buffett Chinas" (siehe Porträt zweiter Teil) gilt, ist einer der reichsten Männer des Landes. Seine Beteiligungsgesellschaft Fosun hatte in den vergangenen Jahren Anteile an vielen ausländischen Unternehmen eingekauft.

Der "Warren Buffet" Chinas: Der Milliardär und Gründer des Fosun-Imperiums, Guo Guangchang, ist verschwunden. Womöglich wurde er verhafet, berichtet das chinesische Wirtschaftsmagazin "Caixin"
In Deutschland ist Fosun am Hamburger Modeunternehmen Tom Tailor beteiligt. Im Sommer hatte Fosun den Kauf der Privatbank Hauck & Aufhäuser angekündigt. Kurz darauf preschten die Chinesen auch mit einer Übernahmeofferte für die BHF-Bank vor, wo sie bereits größter Aktionär waren. Dafür haben sie inzwischen zwar unter Vorbehalt grünes Licht der europäischen Bankenaufsicht EZB bekommen, wie Insider berichten. Eine Chance, den Deal umzusetzen, habe Fosun nach derzeitigem Stand trotzdem nicht. Denn etlichen anderen BHF-Aktionären seien die gebotenen 5,10 Euro je Aktie zu wenig. Die französische Privatbank Oddo & Cie konnte für ihre Offerte von 5,75 Euro je Aktie mehr Aktionäre auf ihre Seite ziehen.

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