Samstag, 21. April 2018

Geheimnisvolle Fast-Verdoppelung für Haspa-Chefs Der Gehalts-Trick der Sparkassen-Vorstände

Haspa-Vorstandschef Harald Vogelsang erhielt 2016 mehr als eine Million Euro für seine Tätigkeit bei der Haspa
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Haspa-Vorstandschef Harald Vogelsang erhielt 2016 mehr als eine Million Euro für seine Tätigkeit bei der Haspa

Die Vorstände bei Deutschlands größter Sparkasse verdienen fast doppelt so viel Geld wie bislang bekannt - das zeigen Recherchen des Branchen-Newsletters "Finanz-Szene.de". Laut dem bislang kaum beachteten Offenlegungsbericht der "Haspa Finanzholding" kamen 2016 insgesamt sechs Beschäftigte der Hamburger Sparkasse ("Haspa") auf eine Gesamtvergütung von mehr als einer Million Euro - wobei einer davon sogar zwischen 1,5 und 2,0 Millionen Euro einstrich.

Bei den Managern handelt es sich einer Sprecherin zufolge um die fünf Vorstände der eigentlichen Hamburger Sparkasse AG sowie um einen mittlerweile ausgeschiedenen Vorstand der Haspa Finanzholding, die sämtliche Aktien der AG hält, aber kein operatives Geschäft betreibt. Die Haspa kam 2016 bei einer Bilanzsumme von 43,5 Milliarden Euro wie auch schon im Vorjahr auf einen Gewinn von 80 Millionen Euro.

Die Daten konterkarieren das öffentlich gepflegte Erscheinungsbild des öffentlich-rechtlichen Bankensektors. Nach bislang öffentlichen Informationen verdienten in der Vergangenheit lediglich die Chefs großer Sparkassen wie etwa der Kreissparkasse Köln rund 1 Million Euro pro Jahr - allerdings nicht auch übrige Vorstandsmitglieder.

Auch die fünf Vorstände der Hamburger Sparkasse passen vordergründig in dieses Schema: So erhielten die fünf Top-Banker der Hamburger Sparkasse laut Geschäftsbericht, der einmal im Jahr der Presse vorgestellt wird, scheinbar nur eine Gesamtvergütung von addiert 2,9 Millionen Euro.

Laut Offenlegungsbericht kommt dasselbe Quintett aber in Wirklichkeit auf fast das Doppelte: mindestens 5,5 Millionen Euro, wobei es sich bei dem Manager mit den 1,5 Millionen bis 2,0 Millionen Euro um Vorstandschef Harald Vogelsang handeln dürfte. Die Diskrepanz zwischen den 2,9 Millionen und den mindestens 5,5 Millionen Euro ergibt sich laut der Haspa-Sprecherin zum einen aus der Doppelfunktion der Vorstände in AG und Holding. Anders ausgedrückt: Die Manager bekamen für beide Tätigkeiten Geld. Daneben gibt es allerdings noch einen zweiten Grund: Anders als der Geschäftsbericht berücksichtigt der Offenlegungsbericht auch die Pensionsrückstellungen. Und die scheinen sehr hoch zu sein.

Jenseits der Hamburger Falls könnte der Recherchefund damit auch die Debatte über die Pensionszusagen für deutsche Sparkassen-Manager generell neu entfachen. Hintergrund: Bis Mitte der siebziger Jahre genossen Sparkassen-Vorstände in Deutschland Beamtenstatus. Aus dieser Tradition heraus legen die Institute bis heute vergleichsweise viel Geld für die Altersvorsorge ihrer Spitzenkräfte zurück.

So kam der Banken-Professor Ralf Jasny vor einiger Zeit in einer auf das Geschäftsjähr 2013 bezogenen Untersuchung zu dem Schluss, dass die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen 27 Prozent der Gesamtbezüge ihrer Vorstände für Pensionen zurückstellen. Zum Vergleich: Bei der Commerzbank waren es laut Jasny im gleichen Jahr zwei Prozent, bei der Deutschen Bank zehn Prozent.

Die millionenschweren Vergütungen bei der Hamburger Sparkasse werfen nun die Frage auf, ob die hohen Pensionszusagen im öffentlich-rechtlichen Bankensektors angesichts der dauerhaft niedrigen Zinsen noch wirtschaftlich verantwortbar sind. Denn: Weil sich das zurückgelegte Geld im Niedrigzinsumfeld immer schwieriger vermehren lässt, müssen die Sparkassen immer höhere Rückstellungen bilden, damit ihre Vorstände im Alter die versprochenen Pensionen erhalten.

Eine Ausnahme übrigens scheinen die 2016er-Gehälter nicht zu sein. Im Offenlegungsbericht der Haspa Finanzholding für 2015 ergibt sich ein ähnliches Bild: Auch da überschritten sechs Hamburger Sparkässler die Ein-Millionen-Euro-Grenze, darunter einer die Marke von 1,5 Millionen Euro.

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