Montag, 20. November 2017

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Die eigenwillige Rechnung der Commerzbank Haben Deutschlands Banken gar kein Kostenproblem?

Deutschlands Banken haben ein massives Kostenproblem - das ist die Grundaussage fast jeder Studie über die hiesige Kreditwirtschaft. Eine Analyse, die das Credit Research der Commerzbank diese Woche an ausgewählte Kunden verschickt hat, versucht diese These nun spektakulär zu relativieren. Tenor: Die Kosten der deutschen Banken mögen zwar hoch sein; verglichen mit anderen Ländern der Eurozone und gemessen an den Bilanzsummen seien sie das aber gar nicht. Das viel, viel größere Problem liege auf der Ertragsseite.

Die Coba-Analysten untermauern diese These mit folgender Tabelle:

Percentage contributions to Eurozone totals, H1 2017
France Germany Spain Italy Netherlands Belgium Austria Other
NII 26.0 12.8 25.2 10.4 11.6 2.3 3.6 8.0
Other Income 37.0 16.3 13.8 18.4 n/a n/a 2.3 6.6
Revenues 31.0 14.4 20.1 14.0 8.5 2.2 3.0 6.8
Expenses 35.2 17.2 16.3 12.6 7.6 2.2 3.1 5.9
Pre-provision profit 24.0 9.7 26.4 16.4 10.0 2.2 2.9 8.4
Impairments 8.0 9.2 33.3 34.5 2.1 n/a 1.1 11.8
Net Profit 31.3 7.2 20.1 17.0 12.3 3.3 4.1 4.7
Total Assets 32.7 20.0 15.3 10.4 10.2 3.4 2.4 5.7
Quelle: SSM, Commerzbank Research

Um die Grafik zu verstehen, sollte man am besten mit der untersten Zahl in der Spalte "Germany" beginnen, also mit der "20.0". Das ist der Anteil der aggregierten Bilanzsumme der deutschen Banken an der aggregierten Bilanzsumme aller Eurozonen-Banken. Die zweite wichtige Zahl ist wieder in der Spalte "Germany" die "17.2" (vierte Zahl von oben). Denn daraus geht hervor: Obwohl die deutschen Banken auf ein Fünftel der Assets kommen, kommen sie nur auf ein Sechstel der Aufwendung. Wo ist da das Kostenproblem?

Das viel größere Drama - so jedenfalls sehen es die Coba-Analysten - sind demnach die Ertragspositionen. Da ist zum Beispiel das Zinsergebnis ("Net interest income", NII) zu nennen, dass mit 12,8 Prozent deutlich unter dem Richtwert von 20,0 Prozent bleibt. Oder: Die "sonstigen Erträge" ("Other income") liegen auch nur bei 16,3 Prozent. Vergleicht man diese Zahlen nun mit der "Frankreich"-Spalte, dann ist die Aussage klar: Die deutschen und die französischen Banken mögen zwar beide tendenziell unterirdische Cost-Income-Ratios haben …

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…indes: Nur bei den Franzosen sei das eine "Cost"-Frage; bei den Deutschen hingegen sei es eindeutig ein "Income"-Frage.

Und übrigens: Bei den "Gewinnerländern", nämlich bei Spanien und den Niederlanden, lasse sich die gleiche Unterscheidung treffen. Bei den Iberern machen's die Erträge (bei eher durchschnittlichen Kosten). Und bei den Niederländern die Kosten (bei eher durchschnittlichen Erträgen).

Ist das methodisch über jeden Zweifel erhaben? Naja, ein paar Anmerkungen sollte man schon machen, beispielsweise:

Doch trotz dieser Einschränkungen würden wir gefühlt sagen, dass die Grundaussage der Studie nicht völlig daneben ist: Es sind die Erträge, stupid.

  • Wer betont, dass die Zinserträge der deutschen Banken niedrig sind, sollte hinzufügen, dass die Kreditausfallkosten gen null tendieren. Dies wurde, wenn wir es richtig sehen, aber nicht berücksichtigt
  • Dass bei den deutschen Banken SOWOHL die Erträge ALS AUCH die Kosten niedriger sind, als es die Bilanzsummen vermuten lässt, hat sicherlich auch damit zu tun, dass die hiesigen Institute vergleichsweise wenig Handelsgeschäft und Investmentbanking betreiben (also Geschäft, das hohe Erträge generiert, zugleich hohe Kosten verursacht, aber sich tendenziell nicht so stark auf die Bilanzsumme auswirkt).

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