Mittwoch, 25. Mai 2016

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Mainfirst-Gründer Bettscheider kauft Düsselhyp Größte Bankenübernahme in Deutschland seit der Finanzkrise

Bankenstadt Frankfurt: Die deutsche Finanzbranche erlebt derzeit einen spektakulären Deal

Ex-Mainfirst-Chef Patrick Bettscheider landet einen spektakulären Coup: An der Spitze eines Konsortiums übernimmt er vom US-Investor Lone Star die Immobilienbank Düsselhyp - gemessen an der Bilanzsumme die größte deutsche Bankenübernahme seit der Krise.

Frankfurt am Main - Spektakulärer Deal in der deutschen Finanzbranche: Nach Informationen von manager magazin online übernimmt ein Konsortium um Mainfirst-Gründer Patrick Bettscheider vom US-Finanzinvestor Lone Star die traditionsreiche Immobilienbank Düsselhyp - gemessen an der Bilanzsumme von rund zwölf Milliarden Euro die größte Bankenakquisition in Deutschland seit der Finanzkrise.

Bettscheider stemmt 45 Prozent der Transaktion, ein ebenso großes Paket landet bei der in London ansässigen Attestor Capital. Über den Kaufpreis wurde zunächst nichts bekannt.

Der Deal ist gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zum einen vollzieht Lone Star wenige Monate nach dem Verkauf der Corealcredit an die Wiesbadener Aareal Bank den nächsten Exit im deutschen Bankenmarkt. Damit gehören der US-Gesellschaft in Deutschland nur noch die zum Verkauf stehende Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB und die in Frankfurt ansässige MHB-Bank.

Zweitens zeigt die Transaktion, dass in der deutschen Bankenbranche nach Jahren der Flaute das M&A-Geschäft anzieht. Anfang dieses Monats hatte die BNP Paribas den Kauf des Münchner Onlinebrokers DAB verkündet. Zudem macht die ABN-Amro-Tochter Bethmann zurzeit die Übernahme der deutschen Privatkundensparte der Credit Suisse perfekt.

Kernkapitalquote konnte sich erholen

Die Düsseldorfer Hypothekenbank war Anfang 2008 im Zuge der Finanzkrise in Schieflage geraten. Der private Bankenverband BdB fing das Institut auf, um Schaden von der Einlagensicherung und vom Pfandbriefmarkt abzuwenden. Später sprang der Bankrettungsfonds Soffin mit milliardenschweren Garantien ein. 2010 übernahm Lone Star die Düsselhyp, der aufgrund ihres teilweise toxischen Portfolios bis heute der Ruf einer "Zombiebank" anhaftet. Obwohl die Amerikaner mehr als 500 Millionen Euro Kapital in das Institut steckten, schrumpfte die Kernkapitalquote Ende 2012 auf besorgniserregende 8,5 Prozent. Bei einem Wert von 8 Prozent hätte die Finanzaufsicht Bafin eingreifen müssen.

Per Ende 2013 hat sich die Quote jedoch auf gut 13 Prozent erholt - erstens aufgrund einer Kapitalerhöhung im 60 Millionen Euro und zweitens, weil die Bank mit dem Abtrag ihrer alten Portfolien vorankommt. Ein positives Zeichen: Im Dezember löste die Düsselhyp die letzte ausstehende Soffin-Tranche im Umfang von 1,1 Milliarden Euro ab.

Trotzdem bleiben die Rheinländer verwundbar. In ihren Beständen finden sich noch immer beträchtliche Engagements in den südeuropäischen Problemländern. Eine Rückkehr der Euro-Krise würde das Institut vermutlich hart treffen. Entsprechend kritisch sieht auch die Ratingagentur Fitch die Düsselhyp. Das sogenannte Finanzstärkerating (die ansonsten bei Banken angenommene Staatshaftung wird hier ausgeschlossen) liegt bei "CCC" - der drittschlechtesten Note überhaupt.

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