Mittwoch, 19. September 2018

David Solomon baut inneren Zirkel auf Goldmans neuer Chef setzt Vertraute auf Spitzenposten

Goldmans neuer Chef David Solomon (Mitte) mit Vorgänger Lloyd Blankfein (links) und Neu-CFO Stephen Scherr (Archivaufnahme vom Juli 2016)
Patrick McMullan via Getty Image
Goldmans neuer Chef David Solomon (Mitte) mit Vorgänger Lloyd Blankfein (links) und Neu-CFO Stephen Scherr (Archivaufnahme vom Juli 2016)

Bei der US-Bank Goldman Sachs dreht sich das Personalkarussell weiter. Finanzchef Martin Chavez wird mit Wirkung vom 5. November durch Stephen Scherr ersetzt, wie das Finanzinstitut am Donnerstag mitteilte. Scherr ist derzeit Leiter des Geschäftsbereichs Consumer & Commercial Banking. Chavez, der seinen Posten erst seit 16 Monaten bekleidete, werde Co-Chef der Handelsabteilung. Darüber hinaus solle John Waldron Präsident und Chef des operativen Geschäfts des Geldhauses werden. Bislang verantwortete der Manager die Investmentbanking-Abteilung.

Mitte Juli hatte Goldman-Chef Lloyd Blankfein mitgeteilt, nach zwölf Jahren an der Spitze Ende September abzutreten und das Amt an David Solomon abgeben zu wollen. Der 56-jährige Solomon arbeitet seit 1999 für die renommierte Investmentbank und galt schon seit Monaten als designierter Nachfolger von Blankfein.


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Die nun verkündeten Wechsel verdeutlichten eine Verschiebung der Machtverhältnisse bei Goldman, schreibt das "Wall Street Journal": Solomon berufe Investmentbanker; Manager aus dem vormals mächtigen Handelsgeschäft, die Vorgänger Blankfein berufen hatte, verlören dagegen weiter an Macht. Der neue Chef baue sich einen neuen inneren Zirkel auf, Waldron etwa gehöre schon seit gut zwei Jahrzehnten zu seinen engsten Weggefährten. Bereits in den 1990er Jahren hätten beide gemeinsam für Bear Stearns gearbeitet.

Vom Abstellgleis in den inneren Kreis

Sowohl Waldron als auch Scherr seien in den vergangenen Jahren schnell aufgestiegen: Vor vier Jahren sei Scherr noch Strategiechef gewesen, schreibt das "WSJ", "bei einer Bank, die selten große Veränderungen oder Akquisitionen durchzieht, ein Abstellposten." Scherr sei Solomon zwar persönlich nicht so nahe wie Waldron, sei als bisheriger Chef des Privatkundengeschäfts aber ein wichtiger Verbündeter. Hier möchte die Bank in Zukunft wachsen.

Im zweiten Quartal hatte Goldman die Analysten mit unerwartet guten Zahlen überrascht und die Konkurrenz hinter sich gelassen. Dank des boomenden Geschäfts mit dem Handel von Anleihen, Rohstoffen und Devisen stieg der Nettogewinn von April bis Juni um 44 Prozent auf 2,35 Milliarden Dollar. Die Erträge legten um 19 Prozent auf 9,4 Milliarden zu - so viel wie seit neun Jahren nicht mehr in einem zweiten Quartal.

Nachdem Goldman Sachs im vergangenen Jahr zeitweise schlechter abgeschnitten hatte als die Wall-Street-Konkurrenten, kritisierten Investoren, die Bank setze zu stark auf das schwankungsanfällige Handelsgeschäft. Die Goldman-Sachs-Aktie notierte im späten New Yorker Handel in einem freundlichen Börsenumfeld kaum verändert.

luk mit reuters

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