Montag, 19. November 2018

Fed half Goldman und Morgan Stanley beim Stresstest Gnädige Prüfer bescheren der Wall Street fünf Milliarden

Zentrale von Goldman Sachs

Fünf Milliarden Dollar verdanken die Aktionäre von Goldman Sachs und Morgan Stanley gnädigen Prüfern von der Federal Reserve. Das legt zumindest ein Bericht des "Wall Street Journal" (kostenpflichtig) nahe.

Demnach wurden die beiden Investmentbanken vor negativen Ergebnissen des in der vergangenen Woche veröffentlichten Stresstests gewarnt. Sowohl Goldman Sachs als auch Morgan Stanley hätten im von der Fed simulierten Krisenfall nicht mehr genug Kapital gehabt und wären deshalb nach strengen Maßstäben durchgefallen - genau wie die Deutsche Bank, die als einzige der getesteten Banken tatsächlich ein negatives Zeugnis bekam.

Stattdessen wurden die Wall-Street-Größen lediglich verwarnt: Sie erhielten die Auflage, Dividenden und Aktienrückkäufe auf dem bisherigen Niveau einzufrieren, um ihr Kapital zu schonen. Pläne, die Ausschüttung der Aktionäre von zusammen 13 Milliarden Dollar auf 16 Milliarden Dollar zu erhöhen, sind damit obsolet.

Laut "Wall Street Journal" aber hätten sie die Dividende auf acht Milliarden Dollar halbieren müssen, wenn die Fed nicht ein Auge zudrücken würde. Die Aktionäre können sich also über fünf Milliarden Dollar mehr freuen, als wenn es streng nach Regeln des Stresstest gegangen wäre. Als Nebeneffekt steigt auch die Bemessungsgrundlage für die Gehälter der Bankchefs Lloyd Blankfein (Goldman Sachs) und James Gorman (Morgan Stanley).

Dem Bericht zufolge enthielt die Warnung der Fed auch die Option, den Verzicht auf höhere Ausschüttungen zu erklären und im Gegenzug das Stigma des Durchfallens zu vermeiden. Andernfalls hätten die Banken ihre eigenen Pläne so lange nachbessern müssen, bis sie den Fed-Rechnern genügen.

"Die Fed war sehr nett"

Sie konnten sich angeblich sogar aussuchen, ob sie sich auf 2017 als Basisjahr beziehen (was für Morgan Stanley höhere Dividende bedeutet) oder den Durchschnitt der vergangenen beiden Jahre (was Goldman-Sachs-Aktionären wegen zuletzt geringerer Aktienrückkäufe 570 Millionen Dollar mehr bringt).

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen wollte auf Anfrage von manager-magazin.de nicht kommentieren, ob sie ein ähnliches Angebot erhielt. Das "Wall Street Journal" beruft sich auf Insider, während die Federal Reserve offiziell erklärt, die Prozedur des Stresstests sei in diesem Jahr genauso befolgt worden wie sonst auch.

"Neue Schiedsrichter, neue Regeln", kommentiert dagegen die Wirtschaftsprüfungsfirma PricewaterhouseCoopers, und spielt damit darauf an, dass den Stresstest erstmals Randal Quarles leitete, der von der Trump-Regierung zum Leiter der Fed-Bankenaufsicht berufen wurde, mit dem ausdrücklichen Ziel, den Druck auf die Wall Street zu verringern. "Die Fed war sehr nett", befand auch der Chef der Beratungsfirma Promontory, Arthur Angulo - selbst ein Fed-Veteran.

Zwar ist das Krisenszenario im aktuellen Stresstest anspruchsvoller als früher, mit einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosenrate auf 10 Prozent und weitreichenden Kreditausfällen. Entscheidend aber wirkte sich der qualitative Teil des Tests aus, der auch subjektiven Spielraum zur Beurteilung der Krisenfestigkeit der Banken enthielt - zum Vorteil von Goldman Sachs und Morgan Stanley, zum Nachteil der Deutschen Bank.

Unter anderem hielt die Fed den Wall-Street-Banken den Effekt von Trumps Steuerreform zugute: Die brachte Ende 2017 aber negative Bilanzeffekte von mehreren Milliarden Dollar mit sich, weil beispielsweise alte Steuergutschriften im Wert berichtigt werden mussten. Auch deshalb sei die Hürde des Stresstest schwieriger zu nehmen gewesen. Langfristig aber senkt die Reform die Steuerlast erheblich.

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