Montag, 22. Oktober 2018

Bankkunden bekommen Zugriff auf Handelssoftware Goldman Sachs lüftet sein teuerstes Geheimnis

Solitär: Nur die Goldman-Sachs-Zentrale leuchtet in Manhattan (Archivbild vom Unwetter "Sandy" 2012)

Keine Frage, der Nimbus von Goldman Sachs lebt weiter. Die Nummer eins der reinen Investmentbanken, mit weiterhin sprudelnden Milliardengewinnen, gilt als Instanz für Karriere- und allgemeine Lebensweisheiten - und ihren Kritikern als bedrohliche Macht, die Politik und Gesellschaft dominiert.

Zugleich aber mehren sich die Zeichen, dass auch Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen unter Druck steht, sich zu verändern und nach neuen Regeln zu spielen. Die Öffnung für das Massengeschäft mit langweiligem Online-Tagesgeld ist eines davon. Jeder in den USA kann heutzutage ein Goldman-Kunde werden.

Und viele (institutionelle) Goldman-Kunden können sogar werden wie Goldman selbst. Wie das "Wall Street Journal" schreibt , teilt das Geldhaus sein bisher bestgehütetes Geheimnis: die Handelssoftware, die es so mächtig gemacht hat.

Die "Securities Database" oder kurz "SecDB" sei nach Ansicht des früheren Goldman-Sachs-Topmanagers Gary Cohn ein "derartiger Wettbewerbsvorteil" gewesen, dass er Rivalen wie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen auch für eine Milliarde Dollar keine Nutzungslizenz erteilen wollte. Für fünf Milliarden? "Vielleicht." Also nicht.

Selbst für eine Milliarde Dollar nicht verkauft - und nun ist es umsonst

Nun können manche Goldman-Kunden über ein Programm namens Marquee gratis das teure System nutzen. "An dem Inhalt, den Werkzeugen und der Analyse haben wir Jahrzehnte gearbeitet, und jetzt geben wir sie in die Hände von Kunden", erklärt Konzern-CIO Martin Chavez.

Der Vorteil der vor 25 Jahren entwickelten SecDB liegt darin, dass unzählige Daten über verschiedenste Arten von Wertpapieren auf einer Plattform verfügbar sind, verbunden mit Funktionen zum Handeln und zur Risikokontrolle.

Auf die intelligente Übersicht wird zurückgeführt, dass Goldman im Eigenhandel früher als andere Gefahren beispielsweise Gefahren am US-Immobilienmarkt erkannt und sich entsprechend positionierte (mitunter gegen die eigenen Kunden). Außerdem war das System flexibel genug, um immer neue Derivate einzubeziehen und Geschäfte damit zu ermöglichen.

Heute aber bedeutet die nach der Finanzkrise eingeführte Regulierung, dass große Positionen im Eigenhandel mit hohen Kapitalkosten verbunden sind und manche Derivate als toxisch gelten. Zugleich machen neue Fintechs Goldman den technologischen Vorteil streitig. Um die Bank sorgen braucht sich deswegen jedoch niemand. Der Bericht zitiert den SecDB-Entwickler Michael Dubno: "Goldman hat immer noch eine Strategie für die nächste Welle von Herausforderungen im Wettbewerb."


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