Sonntag, 24. März 2019

Chef-Jurist Greg Palm geht reich in Rente Der "Last Million-Share Man" bei Goldman Sachs hört auf

"Wir zahlen weniger als JP Morgan": Goldman-Syndikus Greg Palm (Mitte), hier während einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats (Archiv).

Er boxte Goldman Sachs aus den schwierigsten Fällen heraus, legte sich mit der US-Regierung und den unerbittlichsten Staatsanwälten der USA an. Nach mehr als 20 Jahren hört der Top-Jurist und Chefsyndikus der Investmentbank jetzt auf, berichtet Bloomberg. Selbst härteste Gegner zollen Greg Palm Respekt.

Er trat gegen den härtesten Strafverfolger und Ankläger der Wall Street an, Eliot Spitzer. Er kämpfte gegen einen wütenden Kongress und dämmte Skandale ein, die es zeitweilig bis in die innersten Heiligtümer der Investmentbank Goldman Sachs schafften. Die Rede ist von Gregory (Greg) Palm. Zwei Jahrzehnte lang focht er als Chefjurist einen Kampf nach dem anderen für die mächtige und umtriebige Investmentbank. Im Alter von 70 Jahren könnte der Top-Jurist in ein paar Wochen nun sein Amt tatsächlich aufgeben, berichtet die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg.

Abtreten wollte Greg Palm wohl schon ein Jahr früher. Doch dann kam mit der Korruptionsaffäre um den malaysischen Staatsfonds 1MDB wieder mal ein Skandal dazwischen, wo der Top-Jurist für seinen Arbeitgeber erneut die Kohlen aus dem Feuer holen musste. Jetzt, wo die Goldmänner das Gröbste hinter sich glauben, wagt Palm den Absprung wirklich, schreibt Blomberg.

"Goldman's Last Million-Share Man"

Palm dürfte damit als einer der reichsten Anwälte des Landes in Rente gehen und als einer der reichsten Mitarbeiter einer internationalen Investmentbank überhaupt. Denn in seiner gut zwei Jahrzehnte währenden Tätigkeit soll Goldman Sachs ihm insgesamt rund 500 Millionen Dollar überwiesen haben.

Damit nicht genug: Nach dem Abgang von Vorstandschef Lloyd Blankfein gilt Palm als "Goldman's Last Million-Share Man". Anders formuliert: Mit einer Million Aktien der Investmentbank verfügt kein Mitarbeiter von Goldman Sachs über so viel Papiere des eigenen Hauses wie der Top-Jurist.

Gregory Palm mit seiner Frau bei einem Dinner in New York (Archivbild)
Patrick McMullan via Getty Image
Gregory Palm mit seiner Frau bei einem Dinner in New York (Archivbild)

Denn mit Palm, der bereits vor dem Börsengang von 1999 Partner bei Goldman Sachs geworden war, geht einer der letzten Vertreter einer Alterskohorte, die jetzt mit dem Generationenwechsel quasi verschwindet. Nur zur Orientierung: Die Aktie von Goldman Sachs notierte am Mittwoch bei rund 176 Dollar.

Ein Sprecher von Goldman Sachs lehnte laut Bloomberg einen Kommentar zu dem Bericht ab.

Gleich auf welcher Seite sie standen, von seinen Wegbegleitern erntet Palm vor allem Respekt: "Viele Leute, die das tun, was er getan hat, wären vor langer Zeit ausgebrannt", zitiert Bloomberg Stephen Cutler, der es neun Jahre als Chefsyndikus bei JPMorgan Chase aushielt. "Es spricht absolut für Greg, dass er so lange in dieser kritischen Rolle tätig war."

Der ehemalige New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer sagt: "Ich bin nicht sicher, ob wir ein Problem jemals vollständig gelöst haben, aber wir hatten immer eine kollegiale Beziehung." Ein Unternehmen von der Größe dieser Bank habe immer Probleme. "Greg wird da verdienterweise mit viel Lob rausgehen", anerkennt der jetzige Gouverneur des Bundesstaates New York die Verdienste seines lange Zeit intimsten Feindes.

"Er ist extrem schlau"

Ex-Goldman-Chef Hank Paulson (1999 bis 2006) erklärte gegenüber Bloomberg: "Ich habe mich sehr auf seinen Rat und sein Urteil verlassen", zitiert Bloomberg den Banker und späteren US-Finanzminister (2006 - 2009). "Er ist extrem schlau, kennt das Gesetz und versteht das Investment-Banking."

Palm und Blankfein selbst galten als das echte Kontrastpaar: Hier der leise sprechende Top-Jurist, dort der der extrovertierte Top-Banker mit einer großen Persönlichkeit. Doch soll sich das ungleiche Paar im Laufe der Jahre immer näher gekommen sein, berichtet laut Bloomberg ein ehemaliger Partner, der eng mit den Spitzenmanagern zusammenarbeitete.

Palm wuchs in einer ländlichen Stadt am Chenango River im US-Bundesstaat New York auf. Er war Stipendiat des Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo er Wirtschaft, Physik und Mathematik studierte - sozusagen zum Warmlaufen für das Jura-Studium an der Elite-Universität in Harvard, wo Palm ebenso wie Lloyd Blankfein seinen Abschluss machte.

Palms goldene Regel: "Wir zahlen weniger als JPMorgan"

Über die Station bei einem prominenten Berufungsrichter gelangte Palm zu Sullivan & Cromwell, einer Kanzlei, die zahlreiche Häuser der Wall Street zu ihren Kunden zählte. Von hier aus wechselte der Jurist 1992 zu Goldman Sachs. Zu jener Zeit ein ungewöhnlicher Schritt - verließen sich Wall-Street-Häuser doch vor allem auf die externe Rechtsexpertise großer Kanzleien.

Zum Schaden von Goldman Sachs war es auf keinen Fall: So soll Greg Palm durchaus eine "auch wettbewerbsfähige Seite" gehabt haben, wie ein Sullivan-Mitarbeiter mal witzelte: Bei einer anstehenden Einigung mit Behörden der US-Regierung habe Palm immer alles einer Regel untergeordnet: "Wir zahlen weniger als JPMorgan."

rei

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung