Freitag, 23. Februar 2018

Bekommt die Wall-Street-Bank in Deutschland einen Betriebsrat? Goldman Sachs - welcome to German Mitbestimmung

Unter Gleichen: Goldman Sachs, derzeit noch im Frankfurter Messeturm (Frankfurt) muss sich künftig auch um die deutsche Mitbestimmung kümmern.

Der Brexit soll den Briten helfen, wieder ihr eigenes Ding zu machen. Konkret wird das wohl heißen: sich auf das angloamerikanische Wirtschaftsmodell rückzubesinnen.

Für Goldman Sachs, die einflussreichste Kapitalmarktbank der Welt und der Inbegriff des Wall-Street-Kapitalismus, hält das eine ironische Volte bereit: Die US-Amerikaner werden jetzt erstmals ernsthafte Bekanntschaft mit der deutschen Mitbestimmung machen.

Bislang haben die Investmentbanker ihr Europa-Geschäft über die in London beheimatete Goldman Sachs International gesteuert. Der Brexit lässt sie nun wesentliche Funktionen auf den Kontinent verlagern - Vorstandschef Lloyd Blankfein hat Frankfurt zum neuen Kraftzentrum bestimmt, die Zahl der Goldman-Angestellten könnte von derzeit rund 150 auf 800 anwachsen, hauptsächlich im Wertpapierhandel.

Neue Büroräume im Frankfurter "Marienturm" sind bereits angemietet, nun zieht Goldman Sachs nach Informationen von manager-magazin.de mit einem organisatorischen Umbau nach. Geplant ist nach mm.de-Informationen, drei neue Aktiengesellschaften europäischen Rechts, so genannte Societas Europaea (SE), in Frankfurt anzusiedeln: eine Dachgesellschaft, eine für das Wertpapierhandelsgeschäft und eine Nachfolgegesellschaft für die Goldman Sachs AG, in der das deutsche Hauptgeschäft läuft und die im vergangenen Jahr auf einen Bilanzgewinn von 53 Millionen Euro kam. In diese Einheit soll in einem ersten Schritt das spanische Geschäft von Goldman Sachs fusioniert werden, später könnten weitere folgen.

Eine Sprecherin bestätigte die Informationen: "Wir stellen uns mit mehren Gesellschaften in der Rechtsform der Societas Euroaea auf, was unserem internationalen Autritt entspricht und zusätzliche grenzüberschreitende Flexibilität gewährleistet. Im Rahmen der Planungen für den Fall eines harten Brexit gibt uns diese Struktur die nötige Flexibilität, um unsere Kunden weiterhin umfassend zu bedienen."

Umgesetzt werden soll die neue Struktur im Laufe des nächsten Jahres. Die Leitung der neuen Gesellschaften soll nach Angaben von Goldman Sachs bei der heutigen Führung der deutschen Aktiengesellschaft liegen, also Wolfgang Fink, Jörg Kukies und Matthias Bock.

Der Wechsel von der AG in die SE wird kulturell anspruchsvoll: Er schreibt ein so genanntes Arbeitnehmerbeteiligungsverfahren vor, etwa die Einrichtung eines "besonderen Verhandlungsgremiums". Und das wiederum wird darüber diskutieren, ob Goldman Sachs als SE nicht künftig über einen Betriebsrat verfügen soll. Natürlich gibt es dazu auch ein deutsches Gesetz und natürlich bietet das auch ein Einfallstor für Gewerkschaften.

Wiewohl: Laut Geschäftsbericht kam ein Angestellter der Goldman Sachs AG in Frankfurt im Jahr 2016 auf ein Durchschnittsgehalt von 380 000 Euro. Das wird für Verdi kein Kinderspiel.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hieß es, wer die neuen Gesellschaften führe, sei noch nicht geklärt.

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