Dienstag, 28. Juni 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Universalbankmodell Goldman-Banker fordern Zerschlagung von Marktführer JPMorgan

JPMorgan-Chef Jamie Dimon: Einer der letzten Verfechter des Universalbankmodells

Um das Rollenmodell der Deutschen Bank wird es einsam. Die Aufseher wollen JPMorgan Chase den Größenvorteil nehmen. Und nun schließt sich pikanterweise auch noch Wettbewerber Goldman Sachs den Rufen nach einer Zerschlagung der führenden globalen Universalbank an.

Hamburg - Dreist ist der Vorschlag schon. Aber er passt in die Zeit. Wie wäre es, JPMorgan Chase zu zerschlagen, jene Wall-Street-Größe, die seit Jahr und Tag die League Tables der Investmentbanken anführt und nebenbei auch noch im Privatkundengeschäft zu den führenden Adressen zählt? Ausgerechnet Goldman Sachs stellt diese Frage, scheinbar ganz unschuldig in Form eines Reports aus der Aktienanalyseabteilung.

Nur im Interesse der JP-Morgan-Aktionäre Börsen-Chart zeigen, so das Resultat, könnte eine Zwei- oder auch Vierteilung des Instituts durchaus sinnvoll sein. Demnach würde das Universalbankmodell, das Bankchef Jamie Dimon vehement gegen alle Kritik verteidigt, aufgegeben:

Mindestens würde die traditionsreiche Investmentbank J.P.Morgan von der noch traditionsreicheren Geschäftsbank Chase Manhattan, die im Jahr 2000 J.P. Morgan übernahm, wieder getrennt. Alternativ würden sogar Filialbank, Firmenkundengeschäft, Vermögensverwaltung und Investmentbank in unabhängige Unternehmen aufgeteilt. In Einzelteilen ließe sich der Wert des Konzerns um bis zu ein Viertel steigern, behaupten die Analysten.

"Größe ist jetzt ein regulatorischer Nachteil", heißt es in dem Report, über den "Bloomberg" zuerst berichtete und der in weiteren Details im "Financial-Times"-Blog Alphaville wiedergegeben wird. Denn die Bankenaufseher, die in der Vergangenheit vor allem auf komplizierte Formeln wie risikogewichtete Aktiva achteten, gehen dazu über, harte Grenzen für den Verschuldungsgrad und damit die bei gegebenem Eigenkapital mögliche Bilanzsumme einzuziehen.

Die Debatte betrifft auch die Deutsche Bank

Die Debatte betrifft auch die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, deren Führung sich zwar noch zum Universalbankmodell bekennt, während Wettbewerber wie Barclays Börsen-Chart zeigen oder UBS Börsen-Chart zeigen sich spezialisieren und dafür ganze Sparten aufgeben oder auf ein Minimum reduzieren. Inzwischen werden aber auch in Frankfurt Planspiele durchdacht, sich stärker auf den einen oder anderen Bereich zu konzentrieren, wie das manager magazin enthüllte.

Das Beispiel der am Dienstag angekündigten Kooperation von Berenberg und BayernLB zeigt, dass sich Stärken in verschiedenen Geschäften auch kombinieren lassen, ohne einen gemeinsamen Konzern zu bilden - und ohne damit die neuen aufsichtsrechtlichen Größennachteile zu riskieren.

Nach einem im Dezember veröffentlichten Vorschlag der Federal Reserve wären zwar alle "global systemwichtigen Banken" zu größeren Kapitalpolstern verpflichtet, um das Risiko im Krisenfall zu minimieren. Nach jetzigem Stand als einzige Bank tatsächlich treffen würde das Modell jedoch JPMorgan, die bis 2019 weitere 20 Milliarden Dollar Eigenkapital bräuchte.

Diese Summe könnte die Bank zwar nach gängigen Prognosen locker aus laufenden Gewinnen aufbringen und müsste dafür weder die Dividende der Aktionäre noch die Boni der Banker spürbar kürzen. Schließlich ging sogar die Ende 2013 verhängte Rekordstrafe von 13 Milliarden Dollar für Hypothekengeschäfte in der Immobilienkrise am Konzern vorüber, ohne allzu große Spuren zu hinterlassen.

Doch die Goldman-Analysten rechnen vor, dass die von JPMorgan-Chef Dimon beschworenen Multi-Milliarden-Synergien als Universalbank zwar durchaus vorhanden seien, in Zukunft aber von den Größennachteilen mehr als aufgewogen würden. Neben den neuen Aufsichtsregeln bedeuteten auch die Herausforderungen in der IT große Investitionen für jede einzelne Sparte, die sich in einem einheitlichen Konzern nicht sparen ließen. Außerdem falle ein Großteil der Synergien innerhalb der jeweiligen Sparte hin - jede für sich sei stark genug, um allein am Markt zu bestehen, lautet das vergiftete Lob.

"Pure play" heißt das Zauberwort der auf ein Geschäft spezialisierten Bank. So eine wie Goldman Sachs eben.

Folgen Sie Arvid Kaiser auf twitter

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH