Montag, 27. Juni 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Riskante Zinsversprechen Das Comeback der Kaupthing-Banken

Kaupthing-Bank: Nach der Pleite vor 5 Jahren zitterten deutsche Sparer um ihr Geld - bis sie schließlich von der Regierung in Reykjavik entschädigt wurden.

Haben Sparer nichts gelernt? Fünf Jahre nach der Pleite der isländischen Kaupthing-Bank tragen die Deutschen mehr Geld zu den "neuen Kaupthings" als zu Sparkassen oder Volksbanken. Viele ausländische Filialbanken locken mit höheren Zinsen - ohne der deutschen Einlagensicherung anzugehören.

Hamburg - Fünf Jahre nach der Kaupthing-Pleite locken Banken mit ähnlichen Geschäftsmodellen mehr deutsche Sparer an als jemals zuvor. Eine exklusive Auswertung von Bundesbank-Daten durch manager magazin online zeigt, dass die "neuen Kaupthings" in den zurückliegenden 24 Monaten hierzulande per saldo 35 Milliarden Euro bei Privatpersonen eingesammelt haben.

Sämtliche deutsche Sparkassen kamen im selben Zeitraum nur auf einen Zuwachs 23 Milliarden Euro, die Volks- und Raiffeisenbanken auf 23,1 Milliarden Euro.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung beim Festgeld. Hier haben die "neuen Kaupthings" die Sparkassen nämlich nicht nur bei den Zuwächsen, sondern sogar schon in absoluten Zahlen überholt.

Die isländische Kauphting-Bank war vor fünf Jahren pleitegegangen. In den Monaten zuvor hatte die deutsche Tochter mit aggressiven Zinsversprechen um Zinsjäger geworben - und Zehntausende Kunden gewonnen. Nach der Insolvenz kamen die Sparer plötzlich nicht mehr an ihr Geld.

Rund 34.000 Deutsche zitterten monatelang um ihre Einlagen, bis sie von der Regierung in Reykjavik schließlich doch noch entschädigt wurden. Das Problem damals war, dass Kaupthing bloß in der isländischen Einlagensicherung war, nicht aber in der deutschen.

Einlagen von 62,2 Milliarden Euro bei ausländischen Filialbanken

Die Bundesbank-Zahlen zeigen, dass der Kaupthing-Schock nicht lange wirkte. Im September 2008, dem letzten Monat vor der Insolvenz, hielten Privatkunden 11,3 Milliarden Euro bei Kaupthing und den übrigen sogenannten "Zweigstellen ausländischer Banken". Danach gab es zwar einige Monate, in denen die ausländischen Filialbanken unter dem Strich Geld verloren. Seit spätestens 2011 aber steigen die Einlagen von Privatpersonen kontinuierlich an und liegen mittlerweile bei insgesamt 62,2 Milliarden Euro - also mehr als fünfmal so hoch wie vor der Kaupthing-Pleite.

Insgesamt gibt es gut 100 Zweigstellen ausländischer Banken in Deutschland - viele von ihnen sind wie einst Kauphting vor allem als kostengünstige Onlineanbieter für Tages- und Festgeld unterwegs. Die Institute werden von der Finanzaufsicht ihrer Heimatstaaten kontrolliert und verfügen hierzulande lediglich über eine Art "Banklizenz light".

Genau wie Kaupthing verweigern sich die meisten dieser Anbieter sowohl der gesetzlichen als auch der freiwilligen deutschen Einlagensicherung. Stattdessen gehören sie dem Sicherungssystem des Landes an, indem sie sitzen. Das spart Gebühren und Aufwand.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH