Montag, 17. Dezember 2018

"Mein Name ist Furt. Frank Furt." So albern wirbt Frankfurt um Brexit-Banker

Frank Furt kämpft mit Vorurteilen
YouTube/Frankfurt Main Finance e.V.
Frank Furt kämpft mit Vorurteilen

Frankfurt muss man sich als gut gebauten, mitteljungen Mann vorstellen. Glatt rasiert, akkurat gescheitelt, in adrettem weißem Hemd. So jedenfalls stellt uns die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance die hessische Stadt auf ihrem Youtube-Kanal vor, als Cartoon-Figur mit James-Bond-Anleihen: "My name is Furt. Frank Furt."

Have you ever met Frank Furt?

Das Filmchen handelt vom Flirt einer Frau in einer Bar mit "Frank Furt" (nicht zu verwechseln mit dem wilden Verführer Frank'n'Furter aus der "Rocky Horror Picture Show"). Die international gesinnte Kostümträgerin zeigt zunächst Interesse, erschrickt aber bei der Nennung des Namens: Von Frank Furt hat sie schon gehört, aber nicht viel Gutes.

Der Mann müht sich redlich, die Vorurteile zu widerlegen ("Sehe ich aus wie ein Bauer?") und seine Vorzüge zu preisen: moderne Architektur (Banktürme), schöne Ausflugsziele (Rheintal), durchaus gutes Essen ... Plötzlich hat die Figur die Identität der Stadt Frankfurt am Main, wenn auch großzügig um weite Landstriche eingemeindet, um mit sechs Millionen Einwohnern zu prahlen, die man keineswegs provinziell nennen dürfe.

Offenbar zielt der Verein, dem neben der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen auch mehrere ortsansässige Banken angehören, auf Banker, die nach dem Brexit von London auf den Kontinent ziehen. Selbst der britische Minister John Glen sagte am Mittwoch im Parlament, er rechne mit der Abwanderung von 5000 Jobs bis zum Austritt des Königreichs aus der EU im kommenden März.

Besonders in der angelsächsischen Finanzpresse wurden immer wieder Vorbehalte gegenüber der deutschen Stadt laut, die sich selbst im natürlichen Vorteil als künftiger führender Finanzplatz der EU sieht. Als Hindernis vor dem Umzug an den Main nannte beispielsweise die "Financial Times" die Sorge der Ehefrauen der (meist männlichen) Topbanker, in ein Provinznest abgeschoben zu werden - ob berechtigt oder nicht. Manche Großkonzerne wie JPMorgan Chase, HSBC oder Bank of America zogen tatsächlich lieber in eine echte Weltstadt wie Paris.

Das plumpe Prahlen von "Frank Furt" sorgt erstaunlicherweise für ein Happy End - wenn auch nur im Flirt-Video von Frankfurt Main Finance.

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