Freitag, 24. November 2017

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Umbruch in Finanzbranche Fintech entwickelt sich zur "Winner takes it all"-Branche

Fintech N26: 50 Millionen Dollar sollten es schon sein

Während N26 an einem Funding von mindestens 50 Mio. Dollar bastelt, wird Outbank für eine (wenn denn überhaupt) niedrige siebenstellige Summe an Verivox verscherbelt. Und während Scalable Capital bei den eingesammelten Kundengeldern die 500-Mio-Euro-Grenze knackt, kommen die meisten anderen deutschen Robo-Adviser nicht einmal auf eine dreistellige Millionensumme. Soll heißen: Die hiesige Fintech-Branche scheint sich zumindest in den B2C-Segmenten endgültig zu einer "Winner takes it all"-Industrie zu entwickeln. "Finanz-Szene.de" gibt einen Überblick über die wichtigsten Bereiche:

1.) Einlagenvermittlung

Hier haben sich die Verhältnisse ziemlich eindeutig geklärt. Raisin ("Weltsparen") ist mit mehr als vier Mrd. Euro vermittelten Tages- und Festgeldern der klare Marktführer, expandiert nun nach Großbritannien. Daneben hat sich auch Deposit Solutions ("Zinspilot") mit mehr als zwei Mrd. Euro (Stand: Juni 2017) am Markt etabliert; für die Hamburger spricht zudem die gute Positionierung im B2B-Bereich, denn Deposit Solutions steht auch hinter der "Zinsmarkt" genannten Einlagenplattform der Deutschen Bank. Der große Verlierer ist dagegen Savedo. Die Plattform der Berliner Company-Builders Finleap war am Markt praktisch chancenlos und flüchtete sich im Sommer in eine Fusion mit Deposit Solutions.

2.) Smartphone-Banken

Was angesichts des Erfolgs von N26 (über 500.000 Kunden) leicht in Vergessenheit gerät: Bislang hat sich keine andere Challenger-Bank bzw. keiner anderer Multibanking-Anbieter im deutschen Endkundengeschäft wirklich etablieren können. Das Outbank-Tool wurde zwar vielfach gelobt, ließ sich aber nicht monetarisieren. Von Centralway Numbrs wiederum hört man trotz großer Ankündigungen wenig. Figo wechselte rechtzeitig ins B2B-Geschäft, Treefin gelang immerhin der Verkauf an die Wüstenrot & Württembergische.

3.) Robo-Advisory

Scalable Capital ist der Konkurrenz weit einteilt. Als die Researcher von Techfluence zuletzt einen Marktüberblick gaben (Ende Juli), war ansonsten nur Liqid bereits über der 100-Mio.-Euro-Marke. Angesichts von mittlerweile mehr als 20 Robo-Advisern hierzulande wird den meisten nur der Weg in Kooperationen bleiben. Zumal: Auch die Banken (Comdirect, ING Diba, Quirin) entdecken das Segment ja mittlerweile für sich.

4.) Marketplace-Lending

Der Düsseldorfer Marktführer Auxmoney wächst stetig und vermittelte nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr rund 135 Mio. Euro (nach knapp 80 Mio. Euro im gleichen Vorjahreszeitraum); zusätzlichen Rückenwind erhält die Plattform durch die Kooperation mit dem niederländischen Versicherungskonzern Aegon. Aber sonst? Funding Circle (also das frühere Zencap) versucht unter neuer Führung einen Neustart. Im ersten Halbjahr verliehen die Briten hierzulande trotzdem nur rund 15 Mio. Euro. Naja.

5.) Crowdinvesting

Der Crowdinvesting-Boom (337 Prozent Wachstum in den ersten neun Monaten dieses Jahres) ist bei Lichte betrachtet ein reiner Exporo-Boom. Den Mehr als 60 Prozent des vermittelten Volumens entfielen auf den Anbieter aus Hamburg. Und ebenfalls bemerkenswert: Immobilien machen mittlerweile rund 80 Prozent des gesamten Crowdinvesting-Markts aus. Von Januar bis September flossen nämlich nur 17,0 Mio. Euro in Startups (plus 28 Prozent), in Energieprojekte steckte der Schwarm 8,1 Mio. Euro (plus 161 Prozent).

6.) Kreditvergleiche

Ob man klassische Finanz-Vergleichsportale noch der Fintech-Sphäre zurechnen mag, ist sicherlich Geschmackssache. Interessant: Einerseits ist dieser Markt so groß, dass auf Dauer ganz sicher mehr als ein Wettbewerber von ihm wird leben können. Andererseits tummelt sich im Vergleichsmarkt mit Check24 ein solcher Moloch, dass abzuwarten bleibt, ob die beiden größten reinen Finanz-Portale (nämlich Smava und Finanzcheck) wirklich beide eigenständig überleben werden.

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