Samstag, 27. August 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Too big to manage Zerschlagt die Finanzriesen!

Londoner Bankenviertel: Wir sollten zurückblicken und uns an den Glass-Steagall-Act von 1932 in den USA erinnern, der das Trennbankensystem einführte. Somit wurde vermieden, dass spekulative, verlustreiche Geschäfte im Investmentbanking auf das Einlagengeschäft der Geschäftsbank durchschlagen.
Getty Images
Londoner Bankenviertel: Wir sollten zurückblicken und uns an den Glass-Steagall-Act von 1932 in den USA erinnern, der das Trennbankensystem einführte. Somit wurde vermieden, dass spekulative, verlustreiche Geschäfte im Investmentbanking auf das Einlagengeschäft der Geschäftsbank durchschlagen.

Seit der Lehman-Pleite 2008 ist klar, dass Finanzkonglomerate ein Risiko für die Weltwirtschaft sind. Doch geschehen ist wenig. Niedrigzinsen befeuern die Risikobereitschaft der Großbanken sogar noch. Um den nächsten Crash zu verhindern, müssen die Regierungen einschreiten. Einen Lösungsansatz gibt es bereits.

Seit Beginn der Finanzkrise 2008 beschäftigt sich die Welt mit dem schönen Anglizismus "Too big to fail". Auf Deutsch gesagt: Unternehmen - und hier speziell Finanzkonzerne -, die so groß sind und deren Bedeutung für die Volkswirtschaft so ausgeprägt ist, dass ihre Pleite einen enormen wirtschaftlichen Schaden anrichten würde. Es besteht also ein sogenanntes systemisches Risiko: Im Falle einer Insolvenz ist das ganze große System gefährdet.

Damit stellt sich unweigerlich auch eine zweite Frage: Sind solche Unternehmen auch "Too big to manage"? Wenn wir uns die neuesten Entwicklungen bei einigen Großbanken oder im anderen Kontext, zum Beispiel bei Volkswagen Börsen-Chart zeigen, dem bisherigen Aushängeschild der deutschen Exportindustrie, anschauen, dann kann man schon ins Grübeln kommen.

Die Blaupause der Fehlentwicklung

Die Finanzkrise hat klar gezeigt, welch dramatische Entwicklungen sich ergeben können. Nachdem die Investmentbank Bear Stearns Ende Mai 2008 von der US-amerikanischen Großbank JP Morgan Chase mit Hilfe der Zentralbank aufgefangen wurde, ließ die US-Regierung nur vier Monate später Lehman Brothers in den Konkurs gehen. Dabei war wohl niemandem klar, welche Konsequenzen sich daraus ergeben würden. Lehman Brothers war ein Big Player in Bezug auf Finanzderivate, der Ausfall eines Gliedes in dieser Wertschöpfungskette brachte das ganze extrem schuldenfinanzierte System ins Wanken.

Klaus Martini
  • Copyright: Mathis Beutel
    Mathis Beutel
    Klaus Martini leitete viele Jahre die europäischen Aktienfonds der DWS, war der oberste Vermögens-verwalter der Deutschen Bank und Vorstand der Bank Wilhelm Finck. Seit März 2015 ist er Mitglied der Geschäftsleitung bei Plückthun Asset Management.
Die Konsequenz: Zentralbanken und Regierungen mussten einschreiten, Liquidität wurde im großen Stil bereitgestellt und Unternehmen wie der Versicherungsgigant AIG finanziell aufgefangen. In Europa musste die öffentliche Hand insbesondere der Peripherie unter die Arme greifen, was dennoch den Schuldenschnitt Griechenlands 2012 nicht verhindern konnte.

Die Analyse enthüllt vielfältige Ursachen. Dabei sticht in erster Linie die mangelnde Regulierung heraus. Gerade Finanzunternehmen konnten ihre Bilanzen nahezu unendlich aufblähen und somit Risiken in die Bücher nehmen, die einzeln betrachtet vielleicht noch überschaubar waren, aber in ihrer Ballung enormen Sprengstoff boten. Nicht nur das Volumen der Finanzgeschäfte stieg sprunghaft an, diese wurden auch immer komplizierter. Eine Komplexität, die durch bestehende Risikosysteme nicht erfasst bzw. in ihren Auswirkungen völlig unterschätzt wurde.

Seit Beginn der Krise sind nun Regierungen, Zentralbanken und Regulierer am Werk um sinnvolle Regel- und Kontrollsysteme aufzubauen.

Das hat aber bisher nur teilweise dazu geführt, dass Finanzunternehmen ihre Risiken heruntergefahren haben. Unternehmen, die an der Börse gehandelt werden, versuchen immer ihren Aktionären ansprechende Renditen zu erarbeiten - das wird den Banken zurzeit durch das niedrige Zinsniveau stark erschwert. Nur das Eingehen größerer Risiken und hochskalierter Geschäfte führt noch zu ernstzunehmenden Renditen.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH