Samstag, 26. Mai 2018

Too big to manage Zerschlagt die Finanzriesen!

Londoner Bankenviertel: Wir sollten zurückblicken und uns an den Glass-Steagall-Act von 1932 in den USA erinnern, der das Trennbankensystem einführte. Somit wurde vermieden, dass spekulative, verlustreiche Geschäfte im Investmentbanking auf das Einlagengeschäft der Geschäftsbank durchschlagen.
Getty Images
Londoner Bankenviertel: Wir sollten zurückblicken und uns an den Glass-Steagall-Act von 1932 in den USA erinnern, der das Trennbankensystem einführte. Somit wurde vermieden, dass spekulative, verlustreiche Geschäfte im Investmentbanking auf das Einlagengeschäft der Geschäftsbank durchschlagen.

2. Teil: Steigende Komplexität führt zu Überforderung

Sind diese Unternehmen also tatsächlich "Too big to manage"? Die Antwort, die sich zunehmend abzeichnet ist: Ja! Unsere Welt wird nicht nur immer schneller, sondern auch getrieben durch die zunehmende Digitalisierung. Umfang und Komplexität überfordern die Menschen immer öfter. Am Ende dieser Entwicklung steht die Gefahr, dass wir alle die Rechnung dieser Überforderung zahlen müssen.

Bekannt wurde in diesem Zusammenhang eine Aussage von HSBC-Chef Stuart Gulliver, der sagte, es sei völlig unmöglich, jeden seiner 257.000 Angestellten täglich zu überwachen. Allerdings ist es ein Leichtes, Managementfehler nur mit der Größe des Unternehmens abzutun. Erfolgreiche Unternehmen jeder Größenordnung brauchen eine Mischung aus geeigneter Unternehmensstruktur, der richtigen Technologie, gelebter und gesunder Unternehmenskultur sowie einer entsprechenden Kommunikation. Zudem sollte das Management ein nötiges Maß an Nähe zur Basis haben.

Neue Hoffnung aus der New-Deal-Ära

Was können wir also tun - insbesondere im Finanzbereich -, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen? Wir sollten zurückblicken und uns an den Glass-Steagall-Act von 1932/33 in den USA erinnern, der das Trennbankensystem einführte. Demnach durften Geschäftsbanken das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft betreiben, das Wertpapiergeschäft blieb den Investmentbankbanken vorbehalten. Somit wurde vermieden, dass spekulative, verlustreiche Geschäfte im Investmentbanking auf das Einlagengeschäft der Geschäftsbank durchschlagen.

1999 wurde das Gesetz unter Präsident Bill Clinton abgeschafft, um der Globalisierung Rechnung zu tragen und die amerikanischen Großbanken wettbewerbsfähiger zu machen. Viele sehen darin heute die Ursache für die Fehlentwicklungen in der Finanzbranche. Mittlerweile ist die Wiedereinführung des Glass-Steagall-Acts eines der heißesten Themen im US-Wahlkampf für 2016. Auch die europäische Politik hat dies im Zuge der Finanzkrise erkannt und im Juni dieses Jahres ein entsprechendes Trennbankengesetz beschlossen.

Jedoch müssen sich EU-Parlament und EU-Staaten noch auf eine gemeinsame Position einigen. Es ist uns allen zu wünschen, dass Einigkeit erzielt wird, bevor eine neue Krise ausbricht.

Auch wenn staatliche Einflussnahme nur ein Teil der Lösung sein sollte, bin ich überzeugt, dass wir letztlich bei Banken um eine Aufspaltung oder Segmentierung nicht herumkommen werden. Dadurch könnte die Zahl der systemrelevanten Großbanken deutlich sinken und somit auch die Ansteckungsgefahr für die Volkswirtschaften. Kommen all diese Faktoren zusammen, besteht letztlich die Hoffnung, dass es in Zukunft weder Diskussionen um "Too big to fail", noch um "Too big to manage" geben wird.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH