Mittwoch, 1. Juni 2016

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Ex-Bankchef Stephen Green HSBC-Skandal bringt Moralapostel der Banker ins Zwielicht

Moralische Instanz: Ex-Bankchef Green hat Bücher mit Titeln wie "Wahre Werte" veröffentlicht

Er schrieb Bücher über Geld und Moral, predigt als ordinierter Priester in der anglikanischen Kirche und sitzt als Lord im britischen Oberhaus. Doch nun muss sich Stephen Green kritischen Fragen stellen. In seine Amtszeit als HSBC-Chef fällt der Steuerskandal der Schweizer Filiale.

Hamburg - Stephen Green hat seine Prinzipien. Mit einem davon beschied er nun die Journalisten vom "Guardian": "Aus Prinzip kommentiere ich nicht die Geschäfte von HSBC, ob vergangen oder gegenwärtig."

Die britische Zeitung hatte den langjährigen Chef der größten Bank Europas nach seiner persönlichen Rolle im Skandal um systematische Steuerhinterziehung in der Schweizer Filiale der HSBC Börsen-Chart zeigen gefragt.

Die fraglichen Geschäfte in Genf kamen durch den Zukauf einer US-Bank 1999 zum Konzern, als Green im Vorstand für Investmentbanking und Vermögensverwaltung zuständig war. Die nun publik gemachten Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit, als er Bankchef war und in Genf dem Aufsichtsrat vorstand.

Die oppositionelle Labour-Partei will Green, der für die Konservativen als Baron von Hurstpierpoint im House of Lords sitzt, vor dem Parlament zum HSBC-Skandal befragen. Dann müsste er erklären, wie das zu seinen übrigen Prinzipien passt, die der ordinierte anglikanische Priester unter anderem in Büchern mit Titeln wie "Wahre Werte" oder "Gott dienen? Oder dem Mammon" bewarb. Vor allem während der Finanzkrise schuf sich Green eine Reputation als der ethische Banker, der seinen Branchenkollegen die Leviten liest.

"Nicht alles, was der Markt für legal hält, ist auch legitim"

"Gewinnstreben muss von Moral gesteuert werden, denn nicht alles, was der Markt für legal hält, ist auch legitim", sagte Green beispielsweise im Interview mit dem SPIEGEL 2009. In seinen Schriften betonte er besonders die Verantwortung der Aufsichtsräte, um "eine Kultur ethischer und sinnvoller Geschäfte im Unternehmen zu verankern".

Seine Nachfolger dagegen verteidigen die Fehler der HSBC mit dem Hinweis, dass die Zentrale eben jahrelang nicht so genau hingeschaut habe, was in den einzelnen Geschäftszweigen geschieht. Deshalb werde die aus Greens Zeit überlieferte Holding-Struktur gestrafft.

Eine ähnliche Situation gab es vor drei Jahren schon einmal. Da ermittelten die US-Behörden gegen HSBC wegen Geldwäsche und Verstoß gegen Wirtschaftssanktionen. Laut den Ermittlern half die Bank unter anderem der mexikanischen und kolumbianischen Drogenmafia sowie einer der Terrorfinanzierung verdächtigen saudi-arabischen Bank. HSBC musste deswegen 1,9 Milliarden Dollar zahlen.

Die Vorwürfe bezogen sich auf Greens Amtszeit als HSBC-Chef. Als sie publik wurden, diente er der britischen Regierung als Minister für Handel und Investitionen. Er äußerte sein Bedauern in einem kurzen Brief, verweigerte sich aber der von der Opposition geforderten Aussage vor dem Parlament.

Dass die Vorgänge in der Schweiz Green nicht ganz verborgen blieben, belegt eine Äußerung aus dem SPIEGEL-Interview von 2009: "Bestätigt ist bislang nur der kriminelle Vorgang, dass ein ehemaliger Mitarbeiter sich widerrechtlich Zugang zu Kundendaten verschafft und die weitergereicht hat." Der eigentliche Skandal war aus seiner Sicht also eher das Leck als das Handeln der Bank.

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