Freitag, 14. Dezember 2018

Nach Kirch-Prozess Razzia bei Deutsche-Bank-Anwälten

Deutsche-Bank-Zentrale: Anwälte haben die Geschäftsräume der Anwälte der Bank im Frankfurter Westend durchsucht

Der Fall Kirch lässt die Deutsche Bank nicht los. Staatsanwälte ermitteln bereits gegen die Führungsriege der Bank wegen des Verdachts der Falschaussage. Jetzt durchsuchten Ermittler die Kanzleiräume der Deutsche-Bank-Anwälte.

Frankfurt am Main - Der Fall Kirch lässt der Deutschen Bank keine Ruhe: Wie am Montag bekannt wurde, durchsuchten Ermittler am 18. März die Kanzlei der Deutsche-Bank-Anwälte in Frankfurt, wie ein Sprecher der Kanzlei Hengeler Mueller erklärte. Demnach gingen die Beamten dem Verdacht der Beihilfe zum Prozessbetrug nach und beschlagnahmten Unterlagen.

Die Kanzlei hatte die Bank in dem Fall bis kurz vor dem Vergleich mit den Erben Kirchs jahrelang beraten. Die Münchener Ermittler werfen den Bankern vor, sich im Verfahren um eine Mitschuld an der Pleite von Kirchs Medienimperium abgesprochen und dabei die Unwahrheit gesagt zu haben.

Wie das "Handelsblatt" zuvor unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, fand die Razzia in den Geschäftsräumen von Hengeler Mueller im Frankfurter Westend schon am 18. März statt. Andere Standorte der Kanzlei waren demnach nicht betroffen.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt unter anderem gegen den Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, sowie gegen seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer. Der Verdacht: Die Manager sollen während des jahrelangen Rechtsstreits mit dem inzwischen verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch und seinen Erben vor Gericht bewusst falsch ausgesagt haben, um Schadenersatzansprüche abzuwehren.

Nach Informationen von "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung" schlug Fitschen das Angebot der Anklagebehörde aus, das Ermittlungsverfahren gegen Zahlung einer Geldbuße einzustellen. Die Deutsche Bank wollte sich dazu am Montag nicht äußern.

Den Zivilprozess um Schadenersatz hatte die Deutsche Bank am 20. Februar per Vergleich beigelegt: Gegen Zahlung von rund 925 Millionen Euro einigte sie sich mit den Kirch-Erben auf ein gütliches Ende der Dauerfehde um eine Verantwortung der Bank für die Pleite des Kirch-Medienimperiums 2002.

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rei/dpa/rtr

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