Mittwoch, 20. März 2019

Von Stiftungen lernen - streuen, sparen, denken Drei einfache Regeln für die Geldanlage

Handelssaal in New York: Streuen, Kosten sparen - und nicht immer der Herde folgen

Geld bleibt billig, die niedrigen Zinsen treiben viele Sparer in Aktien. Doch Anleger sollten dabei drei einfache Regeln beachten.

Erstmals in dieser Woche hat sich der Dax Börsen-Chart zeigen im Börsenjahr 2016 ins Plus vorgewagt - das heißt, die herben zweistelligen Kursverluste aus dem Frühjahr waren komplett wieder aufgeholt. Bis die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag der Stimmung einen Dämpfer verpasste: Die Notenbank weitet ihre Anleihekäufe vorerst nicht aus, EZB-Chef Mario Draghi sieht derzeit keinen Anlass, die monatlichen Käufe im Volumen von 80 Milliarden Euro noch einmal auszuweiten.

Dennoch: Geld bleibt billig, der Leitzins der EZB bleibt beim Rekordtief von 0 Prozent. Und auch die US-Notenbank Fed dürfte bei ihrer Sitzung am 21. September die Zinsen mit hoher Wahrscheinlichkeit unverändert lassen. Billiges Geld treibt den Kurs von Aktien - die Kursgewinne im Dax der vergangenen Wochen waren eher durch Liquidität getrieben als durch fundamentale Daten der Dax-Unternehmen, meint Robert Halver von der Baader Bank. Zeit also für eine private Anlageoffensive? Nur, wenn drei einfache Regeln eingehalten werden. Dabei hilft unter anderem ein Blick auf die Stiftungsfonds, die Geld für Stiftungen verwalten und deshalb von Gesetz wegen besonders behutsam vorgehen müssen.

1. Breit streuen: Streuung ist eine eherne Regel der Geldanlage. Sie gilt selbst für Star-Investoren wie Bill Ackman, der für seinen Pershing-Square-Fonds jüngst bei der Fastfood-Kette Chipotle zugriff. Doch auch Ackman setzt nicht nur auf Chipotle, sondern auf zahlreiche weitere Investments. Langt er bei einem daneben, rettet ihn der Rest mit Glück noch immer ins Plus. Streuung lässt für Privatanleger am leichtesten mit breit streuenden Exchange Traded Funds (ETF) bewerkstelligen, quasi in Eigenregie. So empfiehlt es auch Altmeister Warren Buffett. Ein solcher Indexfonds bildet auf verschiedene Weise einen Index nach, in dem wiederum viele verschiedene Werte versammelt sind. Über den ETF kauft der Anleger sozusagen einen kompletten Korb mit Aktien eines Landes, einer Region oder einer Branche. Der größtmögliche Korb ist ein ETF auf den Index MSCI World, in dem rund 1600 Aktien aus mehr als 20 Ländern versammelt sind. Gestreut werden kann aber auch mit Hilfe von Fondsmanagern, die versuchen, einen Index zu schlagen.

Mischfonds beispielsweise streuen über Aktien und Anleihen. Damit sind Anleger in den vergangenen 5 Jahren gut gefahren, hat Michael Busack von Absolut Research errechnet. Um 18,5 Prozent stiegen die klassischen Mischfonds im Wert, um 19,4 Prozent die ebenfalls breit anlegenden Stiftungsfonds.. Das ist weniger als ein reines Aktieninvestment - aber auch viel entspannter, weil die Kurse nicht so stark schwanken. "Ob die Aktienquote besser höher oder niedriger sein sollte, hängt von der Marktentwicklung ab - und das weiß man leider immer erst hinterher", sagt Busack. Doch das entwertet nicht die Bedeutung der Streuung.

2. Kosten niedrig halten: Punkt zwei zeigt sich bei jeder Form der Geldanlage - es geht um die Kosten. So niedrig wie möglich sollen sie sein - denn niedrige jährliche Kosten entwickeln sich über einen längeren Zeitraum zu einem großen Renditevorteil. Unter anderem das ist auch ein Grund fürs das Buffett-Plädoyer für ETF. Denn deren jährliche Kostenbelastung ist mit unter 1 Prozent deutlich niedriger als die von aktiv verwalteten Fonds. Und auch bei denen gibt es Unterschiede, wie unter anderem die Studie von Absolut Research zeigt. Stiftungsfonds zum Beispiel zeigen im Median jährlich laufende Kosten von 1,15 Prozent, Mischfonds von 1,65 Prozent. Banken bieten aktiv gemanagte Fonds zudem häufig mit einem satten "Ausgabeaufschlag" von bis zu 5 Prozent an - der sich aber durch Verhandeln kräftig drücken lässt.

3. Nicht immer tun, was alle tun: Die Mehrheit hat immer Recht, heißt es. Wenn die Mehrheit der Anleger Aktien kauft, steigen naturgemäß die Kurse. Weil das Angebot höher als die Nachfrage ist. Und verkauft die Mehrheit, geben die Papiere nach. Also der Mehrheit folgen? Nicht unbedingt. "The trend is your friend", lautet zwar eine Börsenregel, und viele Profi-Anleger setzen auf so genannte Trendfolge-Modelle. Doch beginnt dieser Trend zu kippen, drücken solche Anleger auch als erste auf den Verkaufsknopf - der Privatanleger hat das Nachsehen. Das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 hat gezeigt, dass Aktien-Euphorie sehr rasch in eine Verkaufspanik umschlagen kann. Daher ist es äußerst sinnvoll, bei der Aktienanlage auch dem eigenen Urteilsvermögen zu vertrauen. Trend hin oder her.

Was also bleibt dem Anleger? An die drei Regeln denken - und weiter auf die Zentralbanken und deren Zinsentscheidungen achten.

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