Sonntag, 29. Mai 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Bezahldienst Deutschlands Banken greifen Paypal an

PayPal-Zentrale in San Jose: Deutsche Banken wollen dem US-Bezahldienst mit einer eigenen Lösung Kunden abjagen - künftig sind auch die Sparkassen bei der Gesellschaft für Internet und mobile Bezahlungen (Gimb) an Bord

Deutschlands Banken sagen dem US-Onlinebezahlanbieter Paypal den Kampf an. Ihr Ziel: ein Verfahren für das Bezahlen im Internet, um dem Platzhirschen aus Übersee Paroli zu bieten. Nun steigen auch die Sparkassen bei dem Joint Venture ein.

Hamburg - Nach Informationen von manager magazin online stimmte der betriebswirtschaftliche Ausschuss des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) am Mittwoch grundsätzlich dafür, sich an der Gesellschaft für Internet und mobile Bezahlungen (GIMB) in Frankfurt zu beteiligen, die an einem Konkurrenzprodukt zu Paypal arbeitet.

Hinter dem im Juni 2014 gegründeten Joint Venture stehen bislang sechs Anteilseigner: die Beteiligungsgesellschaft der privaten Banken (BGPB), Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, Postbank, Commerzbank Börsen-Chart zeigen sowie die genossenschaftlichen Institute WGZ und DZ; die DZ Bank stellt mit Niklas Bartelt (46) den Geschäftsführer.

Künftig sind auch die Sparkassen bei der GIMB an Bord. Unklar ist allerdings noch, mit welchem Anteil sich die Sparkassen an der GIMB beteiligen. Darüber will das Präsidium des DSGV demnächst entscheiden.

Was nach Peanuts klingt - die GIMB hat ein Stammkapital von 150.000 Euro - gewinnt an Bedeutung mit Blick aufs große Ganze: Die Kosten für die Entwicklung eines Bezahlverfahrens werden auf mindestens 100 Millionen Euro taxiert. Je nachdem, wie sich das Kapital der GIMB aufschlüsselt, verteilen sich auch die Kosten auf die drei Bankengruppen. Bislang verteilt sich das Stammkapital wie folgt: BGPB und Commerzbank Börsen-Chart zeigen halten jeweils 16,6 Prozent, Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und Postbank jeweils 8,3 Prozent, DZ Bank 37,5 Prozent und WGZ 12,5 Prozent.

Marktreife bis Ende 2016

Bereits im Herbst 2015 will die GIMB das Pilotprojekt "Bezahlverfahren" (BV), die Marktreife ist spätestens zum Weihnachtsgeschäft 2016 geplant. Das wäre dann ein Jahr später als erhofft: Noch im Dezember 2014 hatte Wilhelm Gans, der Geschäftsführer des Deutschen Sparkassenverlags (DSV), der das Projekt im DSGV koordiniert, auf eine Liveschaltung per Ende 2015 gehofft.

Auch der deutsche Handel fordert Alternativen zu Paypal. Das US-Unternehmen dominiert bislang den Markt für bequemes Online-Bezahlen. Der Vorwurf des Handels: Paypal ermöglicht seiner Konzernmutter Ebay tiefe Einblicke ins Kaufverhalten der Deutschen, mit entsprechenden Konsequenzen für Ebays Angebotspalette. PayPal selbst weist darauf hin, keine Daten mit eBay zu teilen.

Dass die deutsche Kreditwirtschaft erst jetzt ihre Kräfte bündelt, liegt auch an der Zauderei der Sparkassen. Sie hatten lange erwogen, mit einem eigenen System an den Start zu gehen.

Sparkassen tun sich schwer mit Digital-Strategie

Ohnehin tun sich die Sparkassen - mit rund 50 Millionen Kunden die weltgrößte Bankengruppe - schwer, ihr Geschäft zu digitalisieren. Davon zeugt allein schon die Posse um das sogenannte Innovationslabor, eine Idee von Verbandspräsident Georg Fahrenschon (47). Monatelang musste Bayerns Ex-Finanzminister bei den 417 Sparkassen betteln, um die 3 Millionen Euro Startkapital zusammenzukratzen.

Vor allem Gerhard Grandke (60), Chef des Regionalverbands Hessen-Thüringen, ließ ihn zappeln. Erst kürzlich willigte er ein, seinen Obolus beizusteuern. Nicht ausgeschlossen also, dass es auch bei Frage, mit wie viel die Sparkassen bei der GIMB einsteigen, abermals zu Streit im Verband kommt.

An der Digital-Strategie der Sparkassen könnte sich sogar Fahrenschons weitere Karriere entscheiden. Kritiker wie Grandke halten dem medienaffinen Ex-Politiker vor, mehr an Interviews als an Inhaltlichem interessiert zu sein, sich häufiger im Freistaat aufzuhalten als an seinem Amtssitz Berlin und wichtige Themen wie die Digitalisierung zu vernachlässigen. Insofern ist der bis 2018 gewählte Fahrenschon dringend auf Erfolge angewiesen.

Nächster Prüfstein werden die Verhandlungen zwischen Sparkassen und Landesbanken um den Haftungsverbund sein. Dann geht es darum, wer bei künftigen Schieflagen mit wie viel für den jeweils anderen einspringt. Hier macht Fahrenschon vor allem Rolf Gerlach (61) Ärger. Der Präsident des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe möchte so wenig wie möglich bei Verlusten von Landesbanken einspringen müssen - was kaum wundert, schließlich hat er nach der Abwicklung der WestLB keine eigene Landesbank mehr vor der Haustür.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH