Freitag, 25. Mai 2018

Promi-Banker, US-Büro: So spart der neue Deutsche-Bank-Chef Deutsche Bank verlässt die Wall Street

Sparfüchse unter sich: Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing (l.) mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz Mitte April.
J.Eigendorf, Deutsche Bank/Twitter
Sparfüchse unter sich: Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing (l.) mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz Mitte April.

Die neue Führungsspitze der Deutschen Bank beseitigt kurz nach Amtsantritt einige Blüten der sorglosen Kostenkultur ihrer Vorgänger im Investmentbanking. Thomas Piquemal, offiziell Welt-Chef der Beratungseinheit für Fusionen und Übernahmen (mergers & acquisitions - M&A) verlässt die Bank und wird nicht ersetzt. Der 48-Jährige wechsle im September zum Finanzinvestor Fimalac, teilte das französische Unternehmen am Donnerstag mit.

Zudem wird die Deutsche Bank auch räumlich ihre Präsenz im Weltfinanzzentrum New York reduzieren. Die Büros an der Adresse 60 Wall Street und damit in unmittelbarer Nähe der New Yorker Börse würden aufgegeben, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg aus einem Schreiben von Tom Patrick, dem Amerika-Chef der Deutschen Bank. Ab dem dritten Quartal 2021 zöge man in die Nähe des Central Parks und verkleinere die Bürofläche um 30 Prozent.

In New York will die Deutsche Bank in das Time-Warner-Gebäude einziehen.

Der bescheidenere Auftritt in New York ist Folge des Teilrückzugs der Deutschen Bank aus dem größten Kapitalmarkt der Welt. Nach Jahren schwindender Marktanteile und großer Verluste in einigen Teilgeschäften schließt der neue Vorstandschef der Bank, Christian Sewing, einige Operationen in den USA - und gibt damit de facto den Anspruch der Bank als eine der weltweit führenden globalen Kapitalmarktbanken auf. Seine Vorgänger waren vor diesem symbolträchtigen Schritt stets zurückgeschreckt.

Die Trennung von Piquemal wirft dagegen ein Schlaglicht auf die zuletzt zuweilen nebulöse Personalpolitik der Bank. Vor seinem Amtsantritt am 17. Mai 2016 hatte die Bank Piquemals "einzigartige Kombination von Fähigkeiten" gelobt und dessen Verpflichtung als "Bekenntnis für unsere Investitionen in das globale M&A-Geschäft" verkauft.

Innerhalb der Bank war das allerdings rasch als "schlechter Witz" qualifiziert worden, eine Spitzenkraft bezeichnete Piquemals Beitrag im globalen M&A-Geschäft gegenüber manager-magazin.de als "bestenfalls irrelevant". Der Franzose war vor seinem Wechsel Finanzvorstand des französischen Energieversorger EDF sowie von Veolia und Partner im Frankreich-Geschäft der Investmentbank Lazard. Außerhalb Frankreichs hatte er praktisch weder Erfahrungen noch Kompetenzen gesammelt.

soc

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH