Dienstag, 19. Juni 2018

Sparkurs Deutsche Bank dampft Aktienhandel ein - und setzt 10.000 Jobs auf Streichliste

Paul Achleitner: Der Aufsichtsratschef steht in der Kritik

Die Deutsche Bank plant einem Medienbericht zufolge den personellen Kahlschlag. Wie das "Wall Street Journal" am Mittwoch unter Berufung auf Insider berichtete, wird die größte deutsche Bank weltweit rund 10.000 Stellen streichen. Das wäre etwa jede zehnte Stelle weltweit. Dieser Stellenabbau dürfte sich wahrscheinlich bis ins kommende Jahr erstrecken, so das "WSJ".

Die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen setzte daraufhin ihre Talfahrt fort und fiel zuletzt um weitere 1,8 Prozent bis auf 10,75 Euro. Das ist der tiefste Stand seit Herbst 2017, als die Bank zeitweise unter die Marke von 10 Euro gefallen war. Vor der Hauptversammlung am morgigen Donnerstag (24. Mai) dürfte die Kritik an Aufsichtsratschef Paul Achleitner wieder lauter werden: Achleitner hatte Anfang April den Sanierer Paul Cryan durch das Deutsche-Bank-Eigengewächs Christian Sewing ersetzt. Sewing will während der Hauptversammlung seine Pläne für die Zukunft der Deutschen Bank erläutern - er kann sich der Aufmerksamkeit der leidgeprüften Aktionäre sicher sein.

Zuvor hatte dieFinanzagentur "Bloomberg" berichtet, das Institut werde sich wie bereits vor vier Wochen angekündigt, von großen Teilen des Aktienhandels zurückziehen - unter anderem in den USA. Ein Sprecher der Bank wollte die Meldungen nicht kommentieren.

Christian Sewing: Investmentbanking soll schrumpfen

Auch in Zentraleuropa, dem Nahen Osten und in Afrika habe die Bank begonnen, die Aktivitäten im Aktienhandel zurückzufahren. Das ginge aus einer umfassenden und globalen Überprüfung des Aktienhandels hervor. Zugleich würde das Geschäft, dass Hedgefonds bedient, zurückgeschraubt, heißt es in dem Bericht.

Verantwortliche Manager würden den Kürzungen zum Opfer fallen. So auch der in London ansässige Chef von CEEMEA Equity Sales, Darren Veenhuis, schreibt Bloomberg. Pascal Moura, der von Dubai aus das Anlagegeschäft für die Region betreibt, soll ebenfalls die Bank verlassen.

Die Deutsche Bank lehnte auch dazu eine Stellungnahme ab. Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte bereits Ende April erklärt, das weltweite Aktiengeschäft genau zu prüfen und das Geschäft in bestimmten Bereichen voraussichtlich zurückzufahren.

US-Konkurrenz ist weit enteilt - Sewing plant Umbau der Deutschen Bank

Sewing hatte zuletzt angekündigt, das Investmentbanking deutlich zu verkleinern- vor allem in den USA. Zu der Sparte gehören beispielsweise die Beratung von Firmen bei Börsengängen oder der Handel mit Wertpapieren aller Art. Anleger und Analysten drängen auf Details zu Sewings Plänen, mit denen das Geldhaus seine globalen Ambitionen begräbt.

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen hat im Investmentbanking in den vergangenen Jahren kräftig Marktanteile verloren, insbesondere an die US-Konkurrenz. Zudem sind die Kosten im Branchenvergleich sehr hoch. In Sewings Umbauplan wird deshalb das US-Handelsgeschäft mit Anleihen und voraussichtlich auch Aktien am heftigsten beschnitten.

Hinzu kommt die Fusion der Deutschen Bank mit der Postbank. Auch dabei könnten zahlreiche Stellen wegfallen. In den kommenden vier Jahren sollten jeweils 1500 Mitarbeiter über freiwillige Abfindungsprogramme und natürliche Fluktuation das Unternehmen verlassen.

la/rei mit Reuters und dpa

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