Freitag, 1. Juli 2016

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Trotz Börsenabsturz Warum die Deutsche Bank kein Übernahmekandidat ist

Mag sich der Himmel auch noch so verdunkeln ... Aufsichtsrat und Management der Deutschen Bank fühlen sich vor einer Übernahme vergleichsweise sicher

Mit Blick auf den Aktienkurs ist die Deutsche Bank nur noch ein Schatten ihrer selbst - und wäre für Wall-Street-Giganten wie JP Morgan nicht mal die Vorspeise eines gefundenen Fressens. Doch in den Türmen der Macht herrscht Gelassenheit. Dafür gibt's gute Gründe.

Die Deutsche Bank wird gerade jeden Tag ein bisschen billiger. Auf etwas weniger als 20 Milliarden Euro taxiert die Börse den Wert von Deutschlands größtem Geldhaus noch. So schlimm sah es selbst in der Finanzkrise vor gut sieben Jahren nicht aus.

Zwar betont der neue Chef John Cryan, das Institut sei "absolut grundsolide". Indes: Anlegern fehlt der Glaube, dass die jahrelangen Umbauarbeiten zum Erfolg führen werden und dass sich das Haus als geschrumpfte Investmentbank neu positionieren kann.

Stattdessen kommen Übernahmefantasien auf. Aus eigener Kraft hat die Bank wenig entgegenzusetzen. Sie verlässt sich darauf, dass Politik und Regulierer einem solchen Mega-Deal einen Riegel vorschieben würden - nicht zu Unrecht.

Bestandsgarantie für das "Symbol nationaler Identität"

Am deutlichsten bringt es ein Koalitionspolitiker hinter vorgehaltener Hand auf den Punkt: "Hier geht es nicht um Kapitalismus, sondern um Gesellschaftspolitik." Die Deutsche Bank mit ihren bekannten Doppeltürmen in Frankfurt sei ein "Symbol nationaler Identität". Trotz der Misere gibt es de facto also eine Bestandsgarantie. "Bei einem Übernahmeversuch würde die Regierung intervenieren." Ein führender Koalitionsvertreter nennt eine Übernahme "hochgefährlich." Schließlich falle die ganze deutsche Finanzbranche international mehr und mehr zurück.

Cryan, seit Juli im Amt, dürfte die Botschaft schon vor einiger Zeit bekommen haben. Er hat inzwischen "Antrittsbesuche" in Berlin absolviert und gab sich betont gelassen, als ihm jüngst die Frage nach dem Risiko einer Übernahme gestellt wurde: "Das ist nichts, womit wir derzeit allzuviel Zeit verbringen." Großfusionen in der Finanzbranche seien nicht mehr gerne gesehen. Auch der Aufsichtsrat hat sich Finanzkreisen zufolge in den vergangenen Jahren nie ernsthaft mit Abwehrstrategien befasst, obwohl die Aktie schon unter Cryans Vorgänger Anshu Jain im Sinkflug war.

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