Dienstag, 25. Juli 2017

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Kehrtwende der Deutschen Bank Warum die Postbank doch wieder als attraktiv gilt

Mehr Wall Street, weniger Zeil: So stehen die Sparten der Deutschen Bank da
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Der Schritt hat sich schon eine Weile angekündigt, aber erklärungsbedürftig ist er doch: Die Postbank, die mit ihrem Einkaufszentren-Appeal nie so recht zur elitären Deutschen Bank passen wollte, wird jetzt doch nicht verkauft - eine weitere strategische Kehrtwende des Finanzkonzerns, der damit eine "Rückkehr zum Wachstum" ankündigt.

Zur Erklärung liefern Bankchef John Cryan eine Reihe von Ansätzen.

Zum einen "haben wir den Verkaufsplan ja gewissermaßen geerbt", sagte Cryan in einem "Bloomberg"-Interview. Er wurde im Frühjahr 2015 gefasst, Monate bevor der Brite den Chefposten übernahm. Die Grundzüge der von den Vorgängern Anshu Jain und Jürgen Fitschen groß angekündigten "Strategie 2020" hatte er sich damals zwar zu eigen gemacht.

Doch "wir haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass es eigentlich eine Kapitalmaßnahme sein sollte und strategisch eine Herausforderung war". Sprich, der eigentliche Grund für den Verkauf der Postbank bestand darin, zusätzliche Anforderungen ans Eigenkapital wegen deren großer Einlagenbasis von 120 Milliarden Euro zu vermeiden.

Das Eigenkapital entlasten würde der Verkauf aber nur, wenn er genug Geld einbringen und keine zusätzlichen Abschreibungen auslösen würde. Den nötigen Kaufpreis wollte jedoch keiner der interessierten Wettbewerber aufbringen und auch der dann verfolgte Börsengang versprach nicht die erhofften Erlöse. So stand die Deutsche Bank vor der Frage, was mehr Kapital bindet: Verkaufen oder behalten? So gesehen handelt es sich um eine "Verzweiflungstat", wie Analyst Heino Ruland kritisiert.

Aber nicht nur. Hinzu kommt als Vorteil, dass die Kombination aus Postbank und dem Privatkundensegment der Deutschen Bank (der "blauen Bank") auf 20 Millionen Kunden kommt und damit "die klare Nummer eins in Deutschland" werden kann (wenn man die Sparkassen mit nach eigenen Angaben 50 Millionen Kunden getrennt zählt). Die "starke Basis im Heimatmarkt" soll auch dem Investmentbanking helfen.

Gerade unter den Postbank-Kunden gilt zwar ein Großteil als inaktiv, doch die Summe der Spareinlagen (der kaum adäquates Kreditgeschäft gegenübersteht) spricht für sich - eine Quelle der Stabilität zum Ausgleich für das riskante Kapitalmarkt-Business. Damit feiert ein Argument Revival, das der damalige Konzernchef Josef Ackermann 2008 zu Beginn der Finanzkrise für den Einstieg bei der Postbank bemühte.

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