Montag, 19. November 2018

Gewinn über Erwartungen, Aktie auf Tiefstand Warum die Deutsche Bank nicht vom Fleck kommt

Deutsche Bank
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Die Deutsche Bank sei auf Kurs, frohlockt ihr Chef Christian Sewing. Erstmals seit 2014 könne der Konzern ein profitables Jahresergebnis erreichen. Der im bisherigen Jahresverlauf verbuchte Nettogewinn von 750 Millionen Euro liegt um die Hälfte über den Schätzungen der Analysten. Trotzdem fiel die Deutsche-Bank-Aktie am Mittwoch unter 9 Euro, der Schlusskurs von 8,87 Euro war der niedrigste seit 35 Jahren. Warum schafft der Konzern die Wende nicht?

Erträge lassen auf sich warten

Den ersten Grund liefert Bankchef Sewing selbst gleich zu Beginn seines Kommentars zu den aktuellen Quartalszahlen, als Schattenseite seines Erfolgs beim Kostensenken: "Andererseits lässt die Wende bei den Erträgen auf sich warten." Im Vorjahresvergleich gingen die Erträge um 9 Prozent zurück. Statt der bisher eingeplanten Stagnation erwartet die Bank nun für das Gesamtjahr ein leichtes Minus.

Teils ist das Schrumpfen gewollt, teils wird es als höhere Gewalt hingenommen. Aus mehreren Geschäften zieht sich die Bank bewusst zurück, um sich strategisch auf ihre Stärken zu konzentrieren - doch auch die lassen nach. Investmentbanking, Privat- und Geschäftskundenbank, Vermögensverwaltung - alle Sparten melden geringere Einnahmen.

Wie und wann die Bank wieder wachsen will? Der Frage weicht Finanzvorstand James von Moltke in einer Telefonkonferenz aus: "Wir konzentrieren uns darauf, die Sachen zu kontrollieren, die wir kontrollieren können" - also die Kosten senken.

Das verflixte vierte Quartal

Selbst in der scheinbaren Erfolgsdisziplin sieht es auf den zweiten Blick nicht so toll aus. Zwar hat die Bank Personal abgebaut - seit Jahresbeginn 2800 von 97.500 Stellen - und die Kosten der Sanierung sieht von Moltke in diesem Jahr bei 600 Millionen statt 800 Millionen Euro.

Doch Gesundschrumpfen funktioniert nur, wenn die Kosten zumindest schneller sinken als die Erträge. Zuletzt ist das jedoch nicht gelungen - die Cost-Income-Ratio stieg dementsprechend auf 90 Prozent.

In den ersten drei Quartalen 2018 sind die bereinigten Kosten jeweils genauso hoch ausgefallen wie in den ersten drei Quartalen 2017. Ob das Ziel erreicht wird, im Gesamtjahr nicht mehr als 23 Milliarden Euro auszugeben, hängt also davon ab, ob im laufenden vierten Quartal fast eine Milliarde weniger anfallen als Ende 2017. "Wir werden alles dafür tun, dass es in diesem Jahr im vierten Quartal nicht den bislang typischen Kostenanstieg geben wird", verspricht Sewing. Doch solche Versprechen kennen die Deutsche-Bank-Aktionäre schon.

Negative Stimmung schafft Fakten

Aktienkurse werden nicht von fundamentalen Geschäftsdaten bestimmt. Sonst hätte die seit Jahren bekannte Tatsache, dass der Börsenwert der Deutschen Bank weit unter Buchwert liegt, irgendwann eine Reaktion der Anleger hervorgerufen. Und sonst wäre nicht der Dax-Aufsteiger Wirecard Börsen-Chart zeigen an dem vielfach bedeutenderen Unternehmen vorbeigezogen.

Wichtiger jedoch ist die Stimmung der Aktionäre, die vom schier endlosen Strom schlechter Nachrichten genährt wird. Dazu zählen auch die Zweifel, ob der größte Aktionär HNA seine Anteile nicht doch noch aus eigener Not verkaufen muss. Außerdem sorgen die dauerhaften Spekulationen über eine bevorstehende Rettung in eine Fusion mit der Commerzbank Börsen-Chart zeigen dafür, dass ein solcher Befreiungsschlag inzwischen fast erwartet wird und sein Ausbleiben als Enttäuschung gilt.

Geteiltes Leid ...

Was der Blick auf den Kurs der einzelnen Aktie verbirgt: Die Anzahl der Aktien hat sich seit Beginn der Finanzkrise fast vervierfacht - eine Folge mehrerer Kapitalerhöhungen, zuletzt im April 2017. Dadurch hat die Deutsche Bank heute mehr Puffer, um mögliche Verluste aufzufangen. Auf der anderen Seite enthält eine heutige Deutsche-Bank-Aktie auch nur gut ein Viertel so viel Anteil am Konzerneigentum wie eine Aktie des Jahres 2008.

Aus Sicht der Altaktionäre ist das zwar eine ärgerliche Verwässerung ihres theoretischen Anspruchs auf Dividende. Andererseits ist das wohl der Preis für geteiltes Risiko: Die neuen Aktionäre fordern ebenfalls ihren Tribut. Die Marktkapitalisierung von gut 19 Milliarden Euro ist zwar im historischen Vergleich niedrig - aber doch noch deutlich von einem 35-Jahres-Tief entfernt.

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