Sonntag, 20. Mai 2018

Deutsche Bank Drittes Verlustjahr in Folge - SPD übt Kritik an "goldenen Nasen"

Deutsche-Bank-CEO John Cryan, Finanzvorstand und Stellvertreter Marcus Schenck: "Wir müssen gerade jetzt in unsere Leute investieren"

Rote Zahlen statt Trendwende: Nach zwei Milliardenverlusten in Folge endet bei der Deutschen Bank laut vorläufigen Zahlen auch das dritte Geschäftsjahr unter Sanierer John Cryan mit einem Minus. Die Deutsche Bank gibt die Jahreszahlen für 2017 am Freitag bekannt.

Bereits Anfang Januar hatte die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen ihre Anleger mit der Nachricht geschockt, dass der Vorstand entgegen der Planungen für 2017 nun "einen geringen Verlust nach Steuern" erwarte. Grund ist die kurz vor Weihnachten beschlossene Steuerreform von US-Präsident Donald Trump. Sie belastet Deutschlands größtes Geldhaus nach Angaben der Bank im vierten Quartal mit rund 1,5 Milliarden Euro.

Die Bilanz für das abgelaufene Jahr legt Konzernchef Cryan an diesem Freitag (2.2.) in Frankfurt vor. 2016 stand ein Verlust von knapp 1,4 Milliarden Euro in den Büchern, 2015 musste die Bank ein Rekordminus von rund 6,8 Milliarden Euro verkraften.

"Wir sind davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", betonte Cryan Mitte Januar beim Neujahrsempfang seines Instituts in Berlin. "Wir haben diesen Weg im Herbst 2015 eingeschlagen und immer gesagt, dass dieser Umbau nicht in ein oder zwei Jahren abgeschlossen sein würde." Es gelte nun, "unsere Kosten weiter zu senken und in unsere Systeme zu investieren".

Teure Rechtsstreitigkeiten aus der Ackermann-Zeit ausgeräumt

Nach seinem Amtsantritt im Sommer 2015 hatte Cryan radikal ausgemistet. Teure juristische Altfälle wurden konsequent beendet, die IT wird auf Vordermann gebracht, die Integration der Postbank in den Konzern läuft. Ab dem zweiten Quartal 2018 sollen rund 13.000 Beschäftigte der Deutschen Bank und etwa 17 000 Beschäftigte der Postbank unter einem rechtlichen Dach arbeiten.

Doch das Tagesgeschäft schwächelt. Wegen geringer Schwankungen an den Kapitalmärkten fielen im vierten Quartal die Erträge aus dem Handel mit Anleihen, Währungen und Aktien nach vorläufigen Angaben der Bank um fast ein Viertel geringer aus als vor Jahresfrist.

Schon länger kämpft das Geldhaus im einst goldenen Kapitalmarktgeschäft mit Gegenwind. Der Verkauf des Privat- und Firmenkundengeschäfts in Polen brockte der Deutschen Bank einen Verlust ein.

Eine Milliarde Euro an Boni geplant

Für Aufregung sorgte zuletzt, dass das Institut trotz des erneuten Jahresverlusts höhere Boni an die Mitarbeiter ausschütten will als ein Jahr zuvor - nach übereinstimmenden Medienberichten geht es um etwa eine Milliarde Euro. "Wir müssen gerade jetzt in unsere Leute investieren und international wettbewerbsfähig bleiben - auch bei den Gehältern", verteidigte Co-Chef Marcus Schenck den Schritt im Magazin "Focus". "Im Übrigen können unsere Mitarbeiter nichts dafür, dass Donald Trump die Steuern senkt und damit einmalig unser Ergebnis belastet."

Schenck betonte, ohne die Belastung durch die US-Steuerreform rechne die Deutsche Bank vor Steuern mit einem positiven Ergebnis für 2017.

Die neuen Steuergesetze in den USA belasten auch bei etlichen US-Konkurrenten der Deutschen Bank die Jahresbilanzen 2017 - auch wenn die Institute wie die meisten US-Unternehmen auf längere Sicht profitieren dürften. Zum einen können Banken US-Steuern nicht mehr so stark durch frühere Verluste - etwa aus der Finanzkrise - drücken: Durch sogenannte Verlustvorträge konnten bisher frühere Fehlbeträge mit künftigen Gewinnen verrechnet und so die Steuerlast gesenkt werden. Zum anderen werden Gewinne, die bislang im Ausland geparkt und so dem US-Fiskus entzogen wurden, mit einer einmaligen Sondersteuer belegt

SPD: "Goldene Nasen in der Führungsetage"

Politiker haben mit Unverständnis und Empörung auf Medienberichte reagiert, wonach die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen trotz erneuter Jahresverluste Boni von etwa einer Milliarde Euro an ihre Mitarbeiter und Manager ausschütten will .

SPD-Chef Martin Schulz sagte der "Bild"-Zeitung (Montag): "Überall schließen Bankfilialen, Kunden verlieren ihre Berater, Berater ihre Jobs. Wenn in dieser Situation Boni in Höhe von einer Milliarde Euro ausgeschüttet werden, dann verliert ein Unternehmen nicht nur an Ansehen. Das schadet insgesamt unserer Solidargemeinschaft." Diese lebe von Glaubwürdigkeit und Gerechtigkeit.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende, Thorsten Schäfer-Gümbel, sagte dem Blatt: "Millionen-Boni trotz Verlusten widersprechen jeglichem Gerechtigkeitsempfinden. Einerseits Arbeitsplatzabbau, andererseits goldene Nasen in der Führungsetage - das kann man niemandem erklären." Die SPD wolle deshalb in den Koalitionsverhandlungen mit der Union die steuerliche Absetzbarkeit von Bonuszahlungen begrenzen.

Die Bonuszahlungen waren bei Deutschlands größtem Kreditinstitut von 2,4 Milliarden Euro 2015 auf 500 Millionen Euro im Jahr darauf zurückgegangen. Konzernchef John Cryan verteidigte zuletzt die stärkere Rückkehr zur variablen Vergütung, obwohl das Geldhaus zu Jahresanfang bekanntgegeben hatte, 2017 zum dritten Mal in Folge keinen Jahresgewinn verbucht zu haben. Die genaue Bilanz will die Bank am Freitag vorlegen.

Einem Insider zufolge visiert der Konzern für März oder April den Börsengang ihrer Vermögensverwaltung an. Der "FAS" zufolge soll das Börsendebüt vor Ostern über die Bühne gehen. Die milliardenschwere Aktienplatzierung ist ein zentraler Baustein in der Strategie Cryans, der den Konzern schlagkräftiger machen will.

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