Dienstag, 22. August 2017

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Reaktionen auf Deutsche-Bank-Ankündigung "Reintegration ist eine Verzweiflungstat"

Postbank bleibt bei der Deutschen Bank und wird nach Aussagen vom Sonntag reintegriert

Jetzt also doch: Die unverkäufliche Postbank bleibt bei der Deutschen Bank und soll reintegriert werden. Verdi-Chef Bsirske und Aufsichtsratsmitglied er Bank sagt schon mal, wie er sich das vorstellt. Analysten üben teils deutliche Kritik am Kurs der Bank.

Die Gewerkschaft Verdi heißt den Verbleib der Postbank in der Deutschen Bank gut. "Grundsätzlich ist das Bekenntnis zum deutschen Markt und das damit verbundene Bekenntnis zur Postbank aus Sicht der Beschäftigten zu begrüßen", erklärte der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske am Sonntagabend. Bsirske sitzt für die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat der Deutschen Bank und dürfte die am Wochenende verkündeten Beschlüsse mitgetragen haben.

Die Pläne böten die Chance, das Geschäft in Deutschland erfolgreich weiterzuführen und damit die Arbeitsplätze der Beschäftigten langfristig zu sichern. Es gelte jetzt, den Prozess mit Sicherheiten für die Mitarbeiter zu flankieren. Dabei komme dem tariflichen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen entscheidende Bedeutung zu. Dies habe für die Gewerkschaft "oberste Priorität", betonte Bsirske.

Die unverkäufliche Postbank soll wieder voll ins Privatkundengeschäft integriert werden, hatte die Deutsche Bank zuvor angekündigt. Die Reintegration der Postbank dürfte einen Milliardenbetrag kosten, hatte Deutsche-Bank-Chef am Sonntagabend erklärt.

Dafür soll ein Teil der Vermögensverwaltung an die Börse gebracht werden. Das Investmentbanking - der Handel sowie das Beratungs- und Finanzierungsgeschäft - werden wieder in eine Sparte zusammengeführt. Rund acht Milliarden Euro will Deutschlands größtes Geldhaus zudem am Markt einsammeln, um seine vergleichsweise dünne Kapitaldecke zu stärken.

An der Börse brachen die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen zu Handelsbeginn in der Spitze um fast 7 Prozent ein. Analysten zeigten sich teils irritiert von den neuen Nachrichten, andere begrüßten den am Wochenende angekündigten Umbau und die angekündigte Kapitalerhöhung.

Deutsche Bank will sich bis zu 10 Milliarden frisches Kapital besorgen

"Wir gehen davon aus, dass die Großaktionäre die Kapitalerhöhung zeichnen werden. Auch scheint uns das Umfeld ausreichend stabil, um zu erwarten, dass die Maßnahme erfolgreich durchgeführt werden kann", sagte Ingo Frommen von der LBBW in einer ersten Reaktion. Allerdings lägen weitere schwierige Umbaujahre vor der Bank, meinte der Analyst. Die Neuausrichtung des Instituts sei kein Selbstläufer.

"Das ist der äußerste Notfall"

Heiko Ruland von Ruland Research zeigte sich hingegen "irritiert" von den Ankündigungen vom Wochenende. Schließlich habe John Cryan hatte vor nicht allzu langer Zeit noch gesagt, dass die Bank nur im äußersten Notfall neue Aktien ausgeben wolle. "Dies scheint nun der äußerste Notfall zu sein."

Die personellen Veränderungen wiederum schätzt der Analyst als positiv ein, da Christian Sewing intern und Marcus Schenck bei institutionellen Investoren hohe Reputation genießen würden. "Die Reintegration der Postbank ist eine Verzweiflungstat, weil sie dafür kein Geld bekommen würden."

Kian Abhoussein von JPMorgan Cazenove sagt laut Reuters: "Wir betrachten dies als Schritt in die richtige Richtung und behalten unsere Einstufung 'Neutral' und das Kursziel von 17 Euro bei. Notwendig sind noch weitere Details zu den notwendigen Einsparungen und zur Reintegration der Postbank, sollte dies zu niedrigeren Refinanzierungskosten für die Gruppe führen."

"Der hohe Abschlag spricht Bände"

"Der hohe Abschlag zum aktuellen Kurs spricht Bände. Es ist schon die vierte Verwässerung in wenigen Jahren. Anleger müssen jetzt erstmal überlegen, ob sie da noch mitziehen. Ob die Kapitalerhöhung von Erfolg gekrönt ist, muss man sehen. Es geht nicht darum, ob die Kapitalerhöhung gut ist oder schlecht, sie ist eine Notwendigkeit. Die Deutsche Bank braucht das Geld, um ihre Kapitalbasis zu stärken.

Die Frage ist, ob das jetzt die letzte Kapitalerhöhung ist oder ob die Bank in wenigen Jahren schon wieder etwas braucht. Bisher hat keine der Umbaumaßnahmen gefruchtet."

rei/dpa/Reuters

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