Samstag, 16. Dezember 2017

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US-Vorladung in Russland-Affäre Ermittler will Trump-Konten bei Deutscher Bank einsehen

Donald Trump: Die Deutsche Bank soll jetzt über Kontodaten Einblick in die Geschäftsbeziehungen von des US-Präsidenten gewähren

Die Deutsche Bank zählt zu Donald Trumps größten Gläubigern. Schon lange fordern US-Politiker Einblick in die Konten. Hoffen sie dort doch Hinweise auf die Russlandaffäre zu finden. Nun soll das Institut dem US-Sonderermittler Daten offenlegen. Trumps Anwalt dementiert, die Informanten bleiben bei ihrer Darstellung. Mancher Deutschbanker dürfte erleichtert sein.

Welche Bank schmückte sich nicht gern damit, einen US-Präsidenten zu ihren Kunden zu zählen? Die Deutsche Bank würde es vielleicht, wenn ihr Kunde nicht gerade Donald Trump hieße. Schon länger steht Trump in Verdacht, interessierte Kreise in Russland hätten den US-Wahlkampf zu seinen Gunsten beeinflusst oder ihn gar mit finanziert. Schon länger fordern daher demokratische Senatoren, die Deutsche Bank solle ihre Geschäftsbeziehungen zu Trump offenlegen.

Nun verlangt der frühere FBI-Chef und jetzige Sonderermittler in der Russlandaffäre, Robert Mueller, von der Deutschen Bank, dass sie Unterlagen zu Trumps Geld- und Kreditgeschäften mit seinen Familienmitgliedern offenlegt. Wie detailliert der Ermittler Auskunft fordert und ob dies womöglich auch Trumps Umfeld betrifft, lässt ein Bloomberg-Bericht offen. Die Deutsche Bank habe sich dazu nicht äußern wollen.

Mueller soll der Deutschen Bank die Vorladung schon vor Wochen zugestellt haben. Der Anwalt von Donald Trump dementierte am späten Dienstagabend, dass es so eine Anfrage bei dem Geldhaus gegeben habe. Bloomberg wiederum schreibt in einer aktualisierten Version der Meldung, dass die Informanten auch nach Trumps Dementi wiederholt erklärten, Mueller habe diese Vorladung an die Bank geschickt. Laut Bloomberg war der Sprecher des Sonderermittlers für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Trump-Anwalt dementiert, Bloomberg-Informanten bestätigen Anfrage

Die Nachricht fällt in eine Phase, wo sich die Dinge in dieser Angelegenheit zuletzt gegen Trump entwickelten. So hatte der ehemalige Nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten, Michael Flynn, erst am vergangenen Freitag eingestanden, das FBI im Zuge der Russland-Affäre belogen zu haben. Laut Bloomberg hatte Muellers Team in den vergangenen Wochen auch zahlreiche Mitarbeiter des Weißen Hauses befragt.

Vor seinem Amtsantritt hat der Immobilienmilliardär Trump bei der Deutschen Bank mit rund 300 Millionen Dollar in der Kreide gestanden. Mittlerweile sollen die Verpflichtungen deutlich gesunken sein. Gleichwohl drängen demokratische Abgeordnete seit Monaten auf mehr Transparenz. Wähnen sie doch, dass für einige Kredite womöglich die russische Regierung oder ihr nahestehende Personen in Russland mit geradestehen könnten.

Die Deutsche Bank hatte in der Vergangenheit politische Forderungen, Informationen zu Trumps Kreditbeziehungen offenzulegen, stets zurückgewiesen mit der Begründung, dies verstoße gegen US-Gesetze - es sei denn, die Bank werde dazu formell von einer US-Institution aufgefordert. Fürchtete das Institut doch, gegen das US-Behörden jahrelang wegen diverser Geschäfte in den USA ermittelten und wo die Einigung etwa wegen des russischen Geldwäscheskandals der Bank mit dem US-Justizministerium noch aussteht, in innenpolitische Konflikte hineingezogen zu werden.

Nun wird darüber spekuliert, mancher in der Deutschen Bank sei angesichts der jüngsten Entwicklung sogar erleichtert über die offizielle Vorladung. Schließlich zwinge diese die Bank dazu, bestimmte Unterlagen vorzulegen. Interne Untersuchungen der Bank hätten bislang aber keine dubiosen Verbindungen zwischen Trump und Russland ans Licht gebracht, schreibt das "Handelsblatt" (kostenpflichtig). Das Blatt erneuerte am Mittwoch seine Darstellung, der US-Sonderermittler habe die Anfrage bei der Bank gestellt, sie stehe im Zusammenhang mit dem Trump-Komplex.

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